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| Autor: |
Taro Rehrl |
| Artikel erschienen in: |
FUNime Nr. 37, Seite 38, April 2004 |
Die Nostalgiewelle hat den Anime-Bereich nur teilweise erfaßt. Umso schöner, daß es jetzt einen echten Leckerbissen gibt.
Letztlich sind die von der technischen Qualität her eher unbefriedigenden DVD-Releases für Captain Future und Saber Rider das Äußerste, was die Retro-Welle für Animefans bisher hervorgebracht hat. Mit einer Review-Serie zu älteren Anime auf Kaufkassette reitet die FUNime ja auch ein wenig mit. Jetzt, wo die Welle wieder etwas am Abflauen ist, bestätigen die in diesem März herausgekommenen Soundtracks zumindest für mich den schönen Spruch, daß man sich das Beste für den Schluß aufheben sollte.
Die Reihe Generation Fernseh-Kult der Firma hi-hat Records ist eigentlich eine Sammlung von Titelliedern und -melodien aus bekannten älteren Fernsehserien. Vier Sampler sind bisher erschienen. Nun sind aber, in Zusammenarbeit mit dem Rechteinhaber Filmkunst Musikverlag, die Soundtracks zu vier Anime-Klassikern zusammengestellt worden, die vielen Animefans bestens bekannt sein dürften: Wickie, Pinocchio, Sindbad und Heidi. Der Vollständigkeit halber sollte man vielleicht noch die Realserie Pippi Langstrumpf erwähnen, die das vorhandene Angebot zunächst komplettiert.
Allen vier Anime-Soundtracks ist gemein, daß sie aus einer Zeit stammen, als die Musik zu Animeserien bei der Lokalisierung noch neu komponiert wurde. Dies hat zum einen technische Gründe. Das vorliegende Material aus Japan beinhaltete neben dem Bildmaterial nur eine Tonspur, auf der Sprache, Musik und Geräusche vereint waren. Für die deutsche Bearbeitung nur die Sprache auszutauschen wäre nicht möglich gewesen. Also wurde der gesamte Soundtrack ersetzt. Neben der normalen Synchronisation wurde neue Musik komponiert, und auch die Geräusche wurden neu eingespielt. Man hätte es eventuell mit etwas Hartnäckigkeit auch geschafft, die Musik separat zu beschaffen, aber zum anderen herrschte damals die etwas altmodische Einstellung, daß japanische Musik nicht für europäische Ohren geschaffen sei. Die neue Musik geriet aber sicherlich nicht zum Nachteil.
Heute sind vor allem die Titellieder der Serien nahezu unvergessen. Weniger bekannt sind die Hintergrundmelodien, dies aber völlig zu unrecht. Obwohl sie es an Bekanntheitsgrad nicht mit Captain Future aufnehmen können, schaffen sie eine stimmige Atmosphäre und sind voller guter Ideen. Zudem gibt es einige wirkliche Perlen, die man sich immer wieder anhören kann, und die schöne Erinnerungen wecken. Man merkt der Orchestrierung ihr hohes Alter an, was aber im Kontrast zu den heutigen teilweise sehr künstlichen Arrangements fast schon wieder zum Vorteil gerät.
Zudem hat man sich bemüht, wirklich alle Melodien zusammenzustellen, die in den Serien vorkommen. Ein mühevolles Unterfangen, da die Originalmusik oft nur schwer zu beschaffen ist. Nach knapp 30 Jahren kann man auch nicht erwarten, daß die Tonbänder schön säuberlich irgendwo im Regal stehen. Obwohl nach bestem Wissen des Herausgebers die kompletten Soundtracks zusammengestellt wurden, fehlt leider trotzdem das eine oder andere Stück. Das fällt aber wohl nur Liebhabern auf. Sonst ist die Musik nahezu komplett, natürlich inklusive der Titellieder. Technisch dagegen hat man durchweg saubere Arbeit geleistet. Die Stücke klingen kristallklar und frisch, als hätte man sie eben erst eingespielt.
Die CD-Cover verzichten auf Original-Artwork, deshalb sieht man ihnen auf den ersten Blick nicht an, was sich dahinter verbirgt. Der Grund dafür ist, daß das Bildmaterial zusätzlich lizenziert werden müßte, was in der knappen Kalkulation des Anbieters nicht mehr berücksichtigt wurde. Zum Glück hat man darauf verzichtet, die Figuren aus der Serie mehr schlecht als recht nachzuzeichnen, wie das bei Captain Future der Fall war. Für Leute mit schwachem Magen kann also Entwarnung gegeben werden. Das Booklet ist unaufregend, aber es sind die Noten und der Text zu den jeweiligen Titelliedern abgedruckt. Zum Glück unter der CD verborgen ist Werbung für Handy-Klingeltöne. Aber nur für die Titelsongs, die könnten sogar für den einen oder anderen interessant sein.
Wenn ich eine der vier Soundtrack-CDs besonders empfehlen müßte, wäre das zweifellos Pinocchio, obwohl den meisten der Wickie-Soundtrack am ehesten in Erinnerung geblieben sein dürfte. Prinzipiell sind alle Soundtracks phantasievoll und sehr vielfältig. Aber Pinocchio hat eine ganz eigene Qualität und fängt auf grandiose Weise die melancholische Atmosphäre der Serie ein.
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Wickie
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Der fröhliche Rock’n’Roll des Titellieds liegt sicher noch fast jedem im Ohr. Große Teile der Hintergrundmusik verbreiten ebenso gute Laune. Aber auch einige ruhige und beschauliche Stücke gibt es, die das gesamte Paket abrunden. Die Abspannmelodie, die bei den jüngsten Wiederholungen im TV oft weggeschnitten wird, ist natürlich auch mit von der Partie.
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| Titellied: |
Christian Bruhn |
| BGM: |
Karel Svoboda |
| Umfang: |
27 Tracks |
| Anspieltips: |
6. Segel setzen |
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16. Grüne Wiese |
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17. Umso netter wird es |
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Pinocchio
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Eindeutig der Glanzpunkt unter den vier Soundtracks. Die Geschichte von der rebellischen Holzpuppe wird in einer zauberhaften Atmosphäre eingefangen. Einzelne Stücke erinnern an einen Jahrmarkt, der schließlich eine große Rolle spielt. Doch die Highlights sind die melancholischen Melodien, die die Stimmung besonders am Anfang der Serie so gut wiedergeben, daß man sie wieder vor sich sieht.
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| Titellied: |
Karel Svoboda |
| BGM: |
Karel Svoboda |
| Umfang: |
27 Tracks |
| Anspieltips: |
5. Unter schönem Himmel |
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9. Erzähl mir |
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11. Den ganzen Weg gegangen |
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16. Sei nicht traurig |
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20. Der Sonnenuntergang |
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Sindbad
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Die Mischung aus orientalischer Musik und Pop gibt es nicht erst seit Ofra Haza. Sindbad hat die Nase vorn, speziell das Titellied, ein richtiger Ohrwurm. Aber der kühne Mix geht in der Hintergrundmusik munter weiter, um die Puristen mal wieder so richtig zu ärgern. Dabei wird die eine wahre Regel des Pop beherzigt: gute Ideen gewinnen gegen gelangweilte „authentische“ Musik. Immer.
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| Titellied: |
Christian Bruhn |
| BGM: |
Christian Bruhn |
| Umfang: |
20 Tracks |
| Anspieltips: |
2. Thema |
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20. Der blaue Fluß |
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Heidi
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Nun gut, es soll Leute geben, die den Heidi-Song hassen. Sollen sie. Die Musik von Gert Wilden bietet weniger Angriffsfläche. Mit erstaunlicher Vielseitigkeit erweckt er jede mögliche Situation zum Leben. Und setzt sich auch von der japanischen Original-BGM ab, die doch etwas zu bemüht klingt. Die meisten Stücke sind sehr entspannt und angenehm.
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| Titellied: |
Christian Bruhn |
| BGM: |
Gert Wilden |
| Umfang: |
39 Tracks |
| Anspieltips: |
15. Entspann dich |
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27. Schönheit |
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35. Walzer |
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Christian Bruhn
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Zusammen mit Klaus Doldinger war Christian Bruhn einer der beherrschenden Komponisten in der deutschen Fernsehlandschaft. Außerdem war er als Schlagerkomponist und Autor von zahlreichen Werbemelodien berüchtigt. Vielen Animefans ist er vor allem durch seinen Captain-Future-Soundtrack bestens bekannt. Seine Frau Erika hat viele seiner Lieder, wie etwa das Heidi-Titellied, gesungen. Weniger bekannt ist allerdings, daß er inzwischen von ihr geschieden ist. Christian Bruhn ist heute Aufsichtsratsvorsitzender der GEMA, nachdem er zuvor lange Zeit deren Präsident war.
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| Weblink: www.christianbruhn.de |
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Karel Svoboda
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Der Tscheche, nicht zu verwechseln mit dem Sänger Karel Gott, ist vor allem durch seinen Soundtrack zu Biene Maja bekannt, wozu er wie bei Pinocchio auch das Titellied komponierte. Leider ist dazu noch keine CD erschienen. Er schrieb die Musik zu zahlreichen tschechischen Kinderserien, die auch in Deutschland oft gezeigt wurden. Zu den bekanntesten zählt sicherlich das Märchen Drei Nüsse für Aschenbrödel. Karel Svoboda ist immer noch erfolgreich als Komponist tätig, aber hauptsächlich in seinem Heimatland.
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| Weblink: www.karel-svoboda.cz |
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Gert Wilden
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Der erfahrene Orchesterdirigent und Chanson-Komponist war schon seit Jahrzehnten im Geschäft und ist einer der beschäftigtesten deutschen Filmkomponisten der Nachkriegszeit gewesen. Unzählige Krimis und Western, sowie die berüchtigte Schulmädchen-Report-Reihe wurden von ihm vertont. Für das Fernsehen übernahm er die musikalische Leitung von bekannten Musiksendungen abseits von Rock und Pop wie Erkennen sie die Melodie?. Die gab’s nämlich auch. Heute, im hohen Alter hat er sich zurückgezogen. Sein Sohn Gert Jr. hat seine Nachfolge angetreten und ist ebenfalls ein erfolgreicher Komponist und Jazzmusiker.
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