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Scott Pilgrim vs. the World

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Autor: Karsten Schubert


Short Line

Ramona

Wahnsinn in lila und blau

Man stelle sich vor man gebe Manga, eine Prise Anime, etwas Rockmusik und eine gro�e Menge Computerspiele in einen Topf und schmecke es mit Hongkong-Cinema und einer geh�rigen Portion Comedy im Stile von Juno ab und verwende daf�r recht edle Zutaten (Schauspieler). Was dabei herauskommt, d�rfte Scott Pigrim vs. the World recht nahe kommen.

Anders ausgedr�ckt, wir haben es mit der Verfilmung eines kanadischen Comics im Manga-Stil zu tun. Doch wie will man einen Manga auf der Leinwand nachstellen? Kann das �berhaupt funktionieren?

Man muss sagen, es geht sehr gut, man muss nur versuchen einige Elemente auf ihre Urspr�nge zur�ck zu f�hren und sie geschickt miteinander zu verkn�pfen.

Bruder und Schwester Zun�chst einmal zur Story. Diese handelt von dem 22-j�hrigen arbeitslosen Scott Pilgrim (Michael Cera, Juno), der h�ufig zusammen mit den Mitgliedern seiner Band, also seinem Freund Steve (Gitarre + Gesang) und seiner Ex-Freundin Kim (Schlagzeug) herumh�ngt oder mit seinem schwulen Mitbewohner, mit dem er nicht nur die Wohnung, sondern auch das Bett teilt, diskutiert. Doch Scott ist nicht schwul und das ist zu Beginn gerade sein Problem, da er von allen Seiten Vorw�rfe zu h�ren bekommt, da er es wagt Knives Chau (Ellen Wong), eine 17-j�hrige Sch�lerin von der �rtlichen High School, zu treffen. Doch schnell freunden sich auch die anderen Mitglieder der Band mit der 17-j�hrigen an und Knives Chau wird zum ersten Groupie der Sex Bob-ombs.

Knives und Steve Da erlebt Scott etwas merkw�rdiges. In einem Tagtraum f�hrt ein M�dchen mit lila Haaren an ihm vorbei. Was macht sie in seinen Tr�umen? Und kurz darauf l�uft er dieser „Ramona Flower“ auch in der Realit�t �ber den Weg. Schlie�lich kommt es soweit, dass er extra ein Amazon-Paket bestellt, denn sie arbeitet f�r dieses Unternehmen als Kurier. Er �berredet sie bei der �bergabe, sich mit ihm zu treffen. Sie kommen tats�chlich schnell ins Gespr�ch und er darf sie sogar nach Hause begleiten. Doch irgendetwas ist seltsam an ihr, oder wieso taucht pl�tzlich wie aus dem Nichts eine T�r vor ihnen auf und sie waren im Haus? Doch wie auch immer, er verbringt die Nacht bei ihr, ohne das ES passiert. Sie ist jetzt seine Freundin.

Aber es gibt kleinere Probleme. Um mit ihr zusammen zu bleiben muss er Ramonas sieben Ex-Freunde besiegen, die alle Superkr�fte besitzen. Doch zum Gl�ck ist er ge�bter Videospieler. Und es gibt noch eine andere Sache... er geht nebenbei immer noch mit Knives aus, da er es nicht �ber das Herz bringt ihr zu sagen, dass er eine andere hat...

Ex 1 Wie man merkt, eine etwas �berdrehte Geschichte, die jedoch viele Standard-Elemente enth�lt. Dies ist nicht wirklich verwunderlich, wenn man den Story-Hintergrund kennt. Der Zeichner hat im wesentlichen seine pers�nlichen Erfahrungen und Erinnerungen etwas �bersteigert in eine Geschichte gegossen, die schlie�lich nach und nach ein Eigenleben entwickelte.

Der Manga-Stil war f�r ihn schlichtweg eine Methode diese Geschichte schnell zu Papier zu bringen. Was den Film jedoch ausmacht: Er schafft es die grunds�tzliche Methodik des Manga auf die Leinwand zu bringen, dabei das zugrundeliegende Material jedoch zu erweitern und zu verdichten.

Band So wurden aus den etwas grobschl�chtigen Zeichnungen wirklich erstklassige Schauspieler. Der Manga handelt zwar von Musik und der Musikszene, doch im Film kann man die Musik sogar h�ren und aus den kurzen, schnellen K�mpfen wurden sorgf�ltig ausgearbeitete Choreographien, die mit einem Mix aus den Schauspielern, Stuntleuten und jeder Menge Tricktechnik umgesetzt wurden.

Dabei hat man auch dezente Ans�tze immer weiter ausgebaut und verfeinert. W�hrend man zun�chst sehr eng der Handlung des Manga folgte und immer wieder kleine Ideen und Verbesserungen einbaute, nahm man im weiteren Verlauf immer mehr Ver�nderungen vor um die neuen M�glichkeiten besser zu nutzen. Es ging sogar soweit, dass man das Ende der Geschichte neu drehen musste, weil man der Handlung einen anderen Schliff verpassen wollte, als es im Manga der Fall war.

Natalie Doch wie kann man sich diese neuen M�glichkeiten �berhaupt vorstellen? Nun, zum einen schon durch die dynamische Handlung. Um ein Beispiel zu nennen: Im Manga kommt beim ersten Besuch von Knives bei der Band die Szene vor, dass Scott Ellen einfach sagt: „Du kannst deine Jacke einfach irgendwo hin werfen.“. Im Film hingegen bittet er zuvorkommend: „Darf ich dir deine Jacke abnehmen?“ und hilft ihr aus dem Kleidungsst�ck um es danach auf den Boden zu schleudern, obwohl direkt neben ihm Kleiderhaken sind.

Auch die Schauspieler k�nnen ihren Figuren deutlich mehr Leben einhauchen, als es den nur begrenzten F�higkeiten des Zeichners m�glich ist. Ein Michael Cera, eine Ellen Wong oder eine Mary Elizabeth Winstead (Ramona) k�nnen nun einmal weitaus mehr Emotionen ausdr�cken als die doch recht grob gezeichneten Charaktere des „Manga“. Und Anna Kendrick demonstriert als Scotts Schwester Sandy, dass sie auch au�erhalb des Twilight-Universums gro�e Reden schwingen kann.

Scotts Band + Clash W�hrend man im Manga nur Musik andeuten konnte, kann man diese im Film tats�chlich spielen. Daf�r musste man zun�chst einmal geeignete Musiker engagieren, die zum Teil auch noch daf�r verantwortlich waren den Schauspielern soweit Musik beizubringen, dass sie vor der Kamera �berhaupt so tun konnten als ob die Musik von ihnen w�re. Dabei mussten sie auch noch soweit singen k�nnen, dass man ihnen die Teilnahme an einem Nachwuchswettbewerb auch tats�chlich abkaufte. Dies ist auch durchaus gelungen, obwohl man zum guten Teil Darsteller hatte die weder singen, noch musizieren konnten. So war Michael Cera der einzige der Band, der tats�chlich sein Instrument beherrschte und sich eher zur�cknehmen musste, damit der Darsteller des Musiktalents Steve nicht ganz so elend im Vergleich aussah. Alison Pill, die hervorragende Darstellerin der zynischen Kim, soll hingegen w�hrend der Dreharbeiten auch tats�chlich halbwegs gut Schlagzeug gelernt haben.

Ramona und Roxy Bei all diesen erweiterten M�glichkeiten hat man die eigene Herkunft des Materials aber nicht etwa verborgen, sondern zum Stilmittel erkl�rt. Das hei�t: eine T�rklingel h�rt man nicht nur, sondern zugleich fliegt ein animiertes Ding-Dong durch das Bild, als w�re der Manga tats�chlich eine Momentaufnahme der Szene.

Auch die anderen Elemente der Popkultur, die im Manga nur angedeutet wurden konnte man im Film weitaus besser zur Sprache bringen. Wie k�nnte zum Beispiel so ein ahnungsloser Tropf k�mpfen gelernt haben? In Computerspielen. Also lie� man sich von Spielen wie Dance Dance Revolution inspirieren, nur dass nicht nur die Trittmuster der Spieler erfasst werden k�nnen, sondern auch ihre ganzen Bewegungsabl�ufe, und schon sieht man Knives und Scott in einem Arcade Center durch die Gegend wirbeln um ihre Ninjas in der Konsole durch die Gegend zu steuern.

Gideon + Ramona In vielen Kampfszenen wird man hingegen an Spiele wie Death or Alive erinnert, w�hrend Ramona mal mit einem Riesenhammer aus Sonic the Hedgehog durch die Gegend wirbelt, w�hrend ihre Gegnerin sich mit einem Schwert aus Soul Calibur zur Wehr setzt. Damit man nicht zu viele teure Tricks verwenden musste, jagte man auch hier wieder die Darsteller durch ein hartes k�rperliches Training, damit sie zumindest mit Seilunterst�tzung einige der Choreographien selbst zeigen konnten.

In anderen K�mpfen hauen sich hingegen Bassgitarren animiert und optisch ihre T�ne um die Ohren, oder Rockband und Synthesizer nehmen den Kampf mittels riesiger animierter Gorillas und Seeschlangen gegeneinander auf.

Scott Uprade Vereinfacht ausgedr�ckt ist dieser Film vollgestopft mit Anspielungen auf die Popul�rkultur der letzten Jahre. Die gesamte Handlung und erst recht die grellen Haarfarben entstammen dem Animebereich, einige der Kampfszenen spielen auf Hongkong-Filme an, das Universallogo erscheint als 8 Bit Computergrafik mit entsprechenden Soundeffekten usw. Es ist praktisch gar nicht m�glich die ganzen Anspielungen in einem Durchgang zu entdecken.

Und wo wir schon beim Thema „�berladen“ sind: Die US-Blu-ray ist mit Features �berladen. Wir haben die Kleinigkeit von VIER Kommentarspuren. Nat�rlich hat jede davon auch ihre L�ngen, aber auch jede Menge Details. Mehr als eine Stunde an Making Ofs, riesige Mengen an Deleted Scenes, Bloopers, alternative Szenen, Trivia Informations usw. Der Film ist ja schon beinahe zwei Stunden lang (1 Stunde 52 Minuten), aber bis man die Extras durchgearbeitet hat vergeht ein vielfaches der Zeit. Zus�tzlich enth�lt die Blu-ray Box auch noch die DVD, sowie ein Digital Copy Angebot.

Schrecken Einzig bei der Bildqualit�t muss man leichte Einschr�nkungen vornehmen. Das Bild ist zwar absolut sauber, aber man hat absichtlich die In-Bild Kontraste und die Farben ein wenig ged�mpft. Dadurch wirkt das Bild weniger plastisch als es sein k�nnte, doch damit ist es auch leichter, den leicht surrealen Touch aufrecht zu erhalten, von dem dieser Film lebt. Nicht zuletzt durch Ramonas grelle Haarfarben (sie wechselt im Film von rot/violett �ber blau zu gr�n) w�rde den Film sonst zu grell und unglaubw�rdig wirken. Dabei nutzt man jedoch gleichzeitig den Schwarzwert sehr gut aus, was f�r die DVD-Fassung erst recht Stress bedeutet.

Beim Ton kann dieser Film weniger mit grandiosen, daf�r mit durchdachten Effekten aufwarten. So hat man im Film alle m�glichen Computer System Sounds untergebracht und die Toneffekte kommen auch sauber und sinnvoll r�ber, aber man ben�tigt keine grandiosen Tonformate. So liegt auch nur die englische Fassung im Dolby True HD 5.1 Format vor, w�hrend franz�sischer und spanischer Ton sich mit DTS 5.1 zufrieden geben m�ssen.

Alles in allem kann man bei der eigentlichen Handlung zwar geteilter Meinung sein, doch in Hinsicht auf Comicverfilmungen spielt dieser Film in einer anderen Liga. Hier ging es nicht darum die fantastische Welt eines Comics real darzustellen, sondern wir haben es mit einer Abhandlung der Popul�rkultur der letzten Jahre zu tun. Man k�nnte auch sagen: ein Film von Geeks, f�r Geeks.



Short Line


Scott Pilgrim vs. the World

   
Laufzeit: 113 Minuten
Ton: Englisch: Dolby True HD 5.1; Franz�sisch, Spanisch: DTS 5.1
Herausgeber: Universal
Region: A,B,C
   

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