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Bootlegs, Fansubs und Konsorten

Unlizenzierte Kopien und ihre Auswirkungen

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Autor: Karsten Schubert
Artikel erschienen in: FUNime Nr. 39, Seite 26+27, Oktober 2004

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Verschiedene Bootleg-Logos Im Editorial der FUNime 37 haben wir uns schon einmal mit dem Problem „Bootlegs“ (in diesem Fall unlizenzierte CDs) befaßt. Wie man in den News dieser Ausgabe lesen kann, beginnen nun auch die größeren Firmen in den USA und Japan diese Problematik als reale Bedrohung wahrzunehmen. Höchste Zeit also, einmal grundlegend zu klären, was Bootlegs überhaupt sind, wie man sie erkennen kann und warum dieses Thema im Moment wieder so eine Aufmerksamkeit erregt.

Was sind Bootlegs?

Der Unterschied zwischen Bootlegs und normalen CDs, DVDs, Büchern oder Model-Kits liegt in ihrer Entstehungsgeschichte. Normalerweise beginnt z.B. die Entstehung einer deutschen CD mit japanischen Liedern mit Vertragsverhandlungen zwischen dem Produzenten und dem japanischen Lizenzinhaber.

Für die Entstehung einer Bootleg-CD beschafft sich der Bootlegger einfach diese CD, sie wird ausgelesen und davon werden neue CDs gepreßt, die Cover und Booklets werden kopiert und etwaige Beilagen nachgeahmt. Diese CDs werden dann verkauft, ohne daß die eigentlichen Macher der CD auch nur einen einzigen Cent davon sehen. Und so funktioniert es leider nicht nur bei CDs. Auch Filme werden aus allen möglichen Quellen beschafft, egal ob im Kino abgefilmt oder von DVDs gerippt, das Ergebnis wird mit Covern versehen und als normale DVD verkauft.

Ebenfalls recht beliebt ist auch das Kopieren von Model-Kits: Dabei werden von Original-Modellen Abgüsse gemacht und als Vorlage für neue Bausätze benutzt. Allerdings ist es hier nicht ganz so einfach wie bei DVDs und CDs, in einigen Fällen müssen sich auch die Originalproduzenten für Neuauflagen dieser Methode bedienen.

Etwas weniger häufig, weil in der Herstellung aufwendiger, sind Raubkopien von Artbooks oder Büchern. Ein weiteres sehr beliebtes Ziel für Bootlegger ist natürlich Software, doch dieser Bereich liegt ein wenig außerhalb des Themengebiets dieses Artikels.

Stattdessen wollen wir uns besonders dem Gebiet der Raubkopier-CDs und -DVDs zuwenden. Deren Produzenten hatten in ihren Ursprungsländern, im Bereich Anime fast immer Fernost, meist wenig zu befürchten: Bis vor kurzem war die Herstellung von Kopien ausländischen Materials in einigen Ländern nicht illegal, in anderen Fällen hält man sich die örtliche Polizei mittels großzügiger Zuwendungen vom Leib. Die Kosten bei der Herstellung einer einfachen DVD mit Verpackung betragen nicht mehr als 1 bis 2 Euro, bei CDs sogar noch weniger, dadurch ist selbst bei niedrigen Preisen ein einträgliches Geschäft möglich und so gibt es zahlreiche Firmen, die derartige Bootlegs produzieren.

Die Qualität dieser Kopien variiert von „dem Original fast gleichwertig“ bis zu „Flimmerorgie“. Auf jeden Fall kommt vom investierten Geld nichts bei den wirklichen Produzenten und Machern des Films oder Soundtracks an. Stattdessen verdienen sich Zwischenhändler eine goldene Nase, gerüchteweise sollen die Firmen auch als Geldwaschanlagen für das organisierte Verbrechen dienen...

Wie erkennt man Bootlegs?

Verschiedene Bootleg-Logos Es gibt zwar eine kaum überschaubare Zahl von Bootleggern, aber glücklicherweise bieten nur wenige „ihre“ Produkte international an. Noch heute genügt es mit einer Liste der bekannten CD-Bootleg-Label „EverAnime“, „SonMay“ oder z.B. „Animation (Japan) International“, „Anime Studio“ und „Another DVD Company“ bei DVDs durch die Läden zu gehen, um schockiert festzustellen, daß große Teile des Marktes von Bootleggern beherrscht werden... Darauf angesprochene Händlern behaupten meist, davon nichts zu wissen (zumindest offiziell, wobei man sich gerne auf Schreiben der Großhändler beruft, daß die angebotenen Waren legal seien) oder schauen angesichts der hohen Gewinnspannen einfach weg.

Auch auf Conventions kann man leicht an Bootlegs geraten, nur wenige Cons wie der Anime Marathon untersagen den anwesenden Händlern explizit den Verkauf von nichtlizenziertem Material. Bei Privatverkäufen, zum Beispiel im Rahmen eines Bring-&-Buy-Standes oder eines Flohmarktes ist es sogar für die jeweilige Conleitung ausgesprochen schwer, alle Bootlegs zu erkennen und aus dem Verkehr zu ziehen.

Noch riskanter ist der Einkauf im Internet: Bei Internet-Auktionen ist es mittlerweile eine beinahe hoffnungslose Aufgabe, unter den Angeboten ein Original zu finden. Teilweise werden dort sogar Bilder von legitimen Releases verwendet und lediglich erwähnt, daß es sich um eine produktähnliche Abbildung handelt.

Relativ sicher vor Bootlegs ist man bei großen, namhaften Versendern aus den USA, Kanada, Großbritannien und Deutschland, da sie sich sowas aus Imagegründen nicht leisten können. Auch mehrere kleine und mittlere Läden vertreiben aus Berufethos keine Bootlegs, aber leider gibt es auch schwarze Schafe, hier sollte man immer aufmerksam sein.

Kennzeichen legaler und illegaler Releases

Jede korrekt lizenzierte Fassung muß einen Verweis auf den Original-Lizenzgeber besitzen, also im Fall von Anime meist eine japanische Firma, die Hauptrechteinhaber des Soundtracks oder des Filmes ist. Dieser Hinweis beginnt immer mit einem © oder ? und sollte sowohl auf der Verpackung als auch auf dem Medium selbst zu finden sein. Manchmal wird auch nur „c“ und „p“ statt © oder ? geschrieben. Wenn dieses Merkmal nicht existiert, handelt es sich mit recht großer Sicherheit um eine unlizenzierte Kopie. Manche Bootlegger nennen sich selbst als allgemeinen Rechteinhaber und sogar als Produzent!

Unbekannte Label: Ein unbekanntes Label ist zwar in Anbetracht der großen Anzahl von Labels alleine noch kein Beweis, es kann jedoch ein Hinweis auf ein Bootleg sein, wenn unter einem bislang unbekannten Namen von einer anderen Firma lizenziertes Material herausgebracht wird.

Sehr niedriger Preis: Auch ein sehr niedriger Preis für eine komplette Serie, gekoppelt mit einer ungewöhnlich niedrigen Anzahl an DVDs (z.B. weniger als vier DVDs für eine 26teilige TV-Serie) kann ein Alarmzeichen sein. Sollte so eine Box nicht das Label eines bekannten Distributors aufweisen, handelt es sich sehr wahrscheinlich um eine Raubkopie. Leider ist der niedrige Preis kein besonders verläßliches Zeichen: Manche Händler erhöhen einfach den Preis, um eine noch unverschämtere Gewinnspanne zu erzielen.

DVD Ländercode: Während es früher relativ normal war, wenn eine DVD Ländercode 0 oder ALL aufwies, kommt dies heutzutage praktisch nur noch bei Hentais vor. Eine neue Serie, die keinen Regioncode aufweist, ist wahrscheinlich ein Bootleg.

Chinesische und englische Untertitel auf einer DVD: Da die meisten Anime Bootlegs aus dem chinesisch sprechenden Bereich stammen, tragen sie häufig chinesische Untertitel. Wenn die DVD dabei auch englische Untertitel aufweist, sollten alle Alarmglocken klingeln.

Fansubs und Importe

Bekanntlich ist im Anime-Bereich auch der Direktimport aus anderen Ländern allgemein üblich. Doch wie sieht eigentlich deren rechtlicher Status aus?

Das hängt zum einen von der Region ab, aus der man importiert: So handelt es sich bei vielen DVDs aus dem ostasiatischen (mit Ausnahme von Japan) und osteuropäischen Bereich leider um Bootlegs; es gibt dort zwar auch vereinzelte Versuche für ordentlich lizenzierte Titel, diese haben aber häufig kaum eine Chance gegen die heimischen Bootlegs.

CDs und DVDs von Firmen aus den USA, Großbritannien, Japan oder Australien sind in der Regel korrekt lizenziert und können im allgemeinen auch problemlos importiert werden. Der Kunde muß höchstens die Nachzahlung von Zoll und Mehrwertsteuer „befürchten“, auch an Erwachsene gerichtete Anime werden meist nicht einbehalten, im Gegensatz zu echten Pornos oder manchen Horrorfilmen. Probleme kann es geben, wenn man versucht, diese Titel öffentlich (zum Beispiel per eBay) zu verkaufen: Ein deutscher Lizenzinhaber kann darin eine Verletzung seines Exklusiv-Vertriebsrechts (das er mit der Lizenz erworben hat) sehen und entsprechend dagegen vorgehen. Von Anime-Rechteinhabern sind derartige Praktiken zwar bislang nicht bekannt, größere Firmen sind darin, vor allem durch die GVU, jedoch sehr aktiv gewesen.

Fansubs sind im Gegesatz dazu noch nie lizenziert worden und daher rein rechtlich den Bootlegs gleichwertig. Doch da mit ihnen lange Zeit kein finanzieller Schaden angerichtet wurde, sie der Förderung des amerikanischen Animemarktes dienten und die meisten US-Distributoren selbst dieser Szene entstammen, wurden sie lange Zeit geduldet, obwohl es schon früh kritische Stimmen aus Japan gab.

Die immer weitere Verbreitung von Fansubs durch das Internet und die Veröffentlichungen einiger Fansubber-Gruppen auch nach Bekanntgabe der Lizenzierung sorgten jedoch in letzter Zeit für eine deutliche Abkühlung im Verhältnis zu den Fansub produzierenden Gruppen. Da gleichzeitig der US-Markt auch für die japanischen Anime-Produzenten eine immer größere Bedeutung gewinnt, zeigt man auch dort immer weniger Toleranz für diese illegalen Wettbewerber.

Wieso gerade jetzt?

Während in Japan der Markt bestenfalls stagniert, hat Anime in den USA eine große Bedeutung gewonnen und heute wird häufig genug über die Fortsetzung einer Serie erst entschieden, wenn Verkaufszahlen aus Amerika vorliegen. Dieser große Erfolg sorgte dafür, daß die US-Distributoren inzwischen auch im Soundtrack-, Manga- und sogar im Merchandising-Markt ein wachsendes Engagement zeigen. Bootlegs stellen damit für die amerikanischen und japanischen Firmen ein großes Problem dar, ein verstärktes Vorgehen gegen Bootlegs und auch Fansubs im Internet und auf Conventions ist bereits von mehreren Seiten angekündigt worden.

Auch in Deutschland hat der Anime-Markt etwas vom Manga-Boom profitieren können und inzwischen gibt es sogar ernsthafte Versuche, in Deutschland mit Anime-Soundtracks Geld zu verdienen. Doch Bootlegs können diese zaghaften Ansätze zunichte machen.

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Legale Label (Auswahl):

Im folgenden eine Sammlung von legalen Labels.
Aber DVDs dieser Firmen werden zu Bootlegs, wenn man es mit fotokopierten Covern zu tun hat. Dann will jemand mit Kopien den schnellen Euro machen!
 
ADV
ANEntertainment
AnimEigo
Anime House
Anime 18
Anime Virtual
AnimeWorks
AV2
Bandai Entertainment
CPM (Central Park Media)
Critical Point
FUNimation
Gainax
Geneon
Ikasu
Kaze
NuTech
Odex
OVA Films
Panini Video
Pioneer
polyband
Production I.G.
Software Sculptors
Synch-Point
TriMax
TRSI - The Right Stuf International
universum film
Urban Vision
U.S. Manga

Weblinks:

 
http://www.otakunews.com/piratefaq.php Pirate-FAQ (englisch)
http://www.digital.anime.org.uk/piratefaq_de.html Pirate-FAQ (deutsche Übersetzung, Link ist leider nicht mehr gültig)
http://www.groberunfug.de/unfug/unfugtexte/bootleg_cd_dvd_infos.htm Liste von Bootleg-Logos

Verbreitete Bootleg-Labels:

(ohne Anspruch auf Vollständigkeit)

 
Anime DVDs:
 
Animation (Japan) International
Anime Cartoon (International)
Anime Studio
Another DVD Company
Digital International
DVD Ani ¹
Fx
Indian International
K
MAC (Manga Anime Cartoon)
Manga International
Video Animation
 
¹ Bei DVD Ani ist der Fall etwas komplizierter: Die Firma besitzt die Rechte für die meisten ihrer Animetitel, jedoch nicht die Rechte an den englischen Tonspuren und Untertiteln, die auf den DVDs enthalten sind. Zudem soll bei weiteren Titeln die Rechtslage unklar bzw. problematisch sein.
 
Anime CDs:
 
SonMay (SM Records)
EverAnime
Yuanding/TopCircle
Smile Face/Smiley Face
Wisdom Records

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