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Kiddy Grade

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Autor: Karsten Schubert
Review erschienen am: 27. Dezember 2005

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Kiddy Grade Kiddy Grade ist eine 24-teilige TV-Serie, die zwar bereits in der FUNime Nr. 40 ausführlich behandelt wurde, doch da viele Leser dieses Reviews diese Ausgabe der FUNime womöglich nicht kennen, werden wir anlässlich der deutschen Veröffentlichung der ersten beiden DVDs von TOKYOPOP auch noch mal auf die Serie selbst eingehen.

Kiddy Grade So ziemlich jeder, der die erste Folge dieser Serie zum ersten Mal sieht, hat mit gutem Recht einige Zweifel an der Serie, denn die beiden Hauptcharaktere Éclair und Lumiere scheinen nicht mehr als Kinder zu sein, und dennoch schalten sie scheinbar im Handstreich ganze Flotten von Raumschiffen aus.

Éclair wirkt dabei wie ein Teenager und ist dennoch die Nahkämpferin dieses Duos und offenbar mit weit übermenschlichen Kräften ausgestattet, so dass ihr selbst mit Laserschüssen nicht einfach beizukommen ist, dafür verwendet sie ausgerechnet ihren Lippenstift als recht effektive und sehr wandlungsfähige Waffe. Da sie bei den meisten ihrer Kämpfe lediglich ein kurzes Kleid trägt, bietet sie ausgesprochen viel Potential für Fanservice, das zunächst auch ausgiebig genutzt wird.

Kiddy Grade Lumiere hingegen würde man auf bestenfalls zehn Jahre schätzen, und in ihrem knappen Body scheint sie eher darauf getrimmt zu sein, Leute mit Lolita-Komplex für sich einzunehmen.
Obwohl sie viel jünger als Éclair wirkt, handelt sie wesentlich ruhiger und überlegter als ihre stürmische und etwas überdrehte Kollegin, der sie nicht ganz umsonst manchmal mangelnde Eleganz vorwirft. Doch diese ruhigere Art kann auch einfach mit ihrer besonderen Fähigkeit zusammen hängen, denn vor ihr ist kein Computersystem sicher.

Kiddy Grade Eine derartige Anhäufung von Fanservice und überdrehter Action dient in vielen Fällen zu keinem anderen Zweck, als eine kaum nennenswerte Handlung zu überdecken. Doch bei Kiddy Grade ist dies nicht der Fall. Dort verwendet man diese auffälligen Elemente zwar dazu, zunächst Aufmerksamkeit zu erzeugen, doch dann nimmt man den Zuschauer mit auf eine Reise, die zwar zahlreiche Überraschungen und unerwartete Elemente mit sich bringt, doch insgesamt immer einen Sinn ergibt, wenn man auch auf kleine Details der Handlung achtet.
Dabei spielen die beiden Hauptcharaktere eine geringere Rolle, als man zunächst glaubt, dafür spielen im weiteren Verlauf auch die anderen ES-Mitglieder der G.O.T.T. (Galactic Organisation of Trade and Tariffs) eine bedeutende Rolle in einer Handlung, die den Verlauf der Geschichte beeinflussen kann, indem sie Rätsel der Vergangenheit entschlüsselt.

Kiddy Grade Die Qualität der Zeichnungen und Animationen ist dabei recht ordentlich und lässt vor allem auch im weiteren Verlauf der Handlung nicht nach, sondern bleibt im wesentlichen auf einem beachtlich hohen Niveau.

Die gesamte Serie erschien in den USA wie auch in Deutschland auf acht einzelnen DVDs, die zum Ausgleich zu einem etwas geringeren Preis als allgemein üblich angeboten wurden. Inzwischen hat man die Serie dort auch noch einmal in Form von vier recht günstigen 2-DVD Boxsets veröffentlicht.

Kiddy Grade Auch in Deutschland erscheint die Serie auf 8 DVDs, die auf den ersten Blick auch einen recht ordentlichen Eindruck machen. Dabei soll eine DVD eigentlich für 19,99 Euro zu haben sein, auch wenn sie bei kaum einen Händler dafür zu bekommen ist und es beim Preis zum Teil ausgesprochen heftige Ausschläge nach oben gibt. Dafür bekommt man DVDs mit einem ordentlichen Bild und einer recht gut gelungenen deutschen Synchronfassung, die vor allem bei den Hauptcharakteren überzeugen kann. Lumiere klingt zwar eigentlich in etwa genauso alt wie ihre Kollegin Éclair oder der sie häufig begleitende Inspektor Ambrust, doch in der Beziehung sind auch die japanische und englische Fassung nicht wesentlich besser gelungen.

Kiddy Grade In einer Hinsicht kann die deutsche DVD jedoch überhaupt nicht überzeugen: Bei der Übersetzung selbst, sowohl bei den Untertiteln, wie auch bei der Synchronisation. Die DVDs weisen zwar keineswegs Dubtitles auf, doch offenbar war die Rohübersetzung in sich bereits derart fehlerhaft, dass kaum noch etwas zu retten war.

So tauchten einige Unsauberkeiten oder mißverstandene Anspielungen auf, die sich im weiteren Verlauf der Handlung als echte Fehler herausstellen werden, während einige andere, bedeutende Kommentare schlichtweg übersehen und durch Belanglosigkeiten ersetzt wurden.
Hinzu kommen einige kapitale Übersetzungsfehler, durch die teilweise die Handlung vollkommen unverständlich wird. So gelingt es zum Beispiel in der ersten Episode Lumiere eine ganze Raumflotte unter ihre Kontrolle zu bringen, dass dies jedoch nur nach ihrem relativ ungewöhnlichen Eindringen in das Flaggschiff möglich wurde, bleibt bei der teilweise radebrechenden Übersetzung vollkommen unverständlich.

Kiddy Grade Ein ganz anderes Bild bietet sich hingegen bei den englischen Übersetzungen der US-DVDs, wo die englische Synchronfassung zwar auch mal etwas freier agiert, aber genau weiß, was man eigentlich sagen will. So erfährt man dort sowohl bei den Untertiteln, wie auch bei der englischen Synchronfasssung, dass Lumiere offenbar nicht nur einfach die elektronischen Systeme auf der Brücke ausschaltete, sondern auch noch einen kleinen Virus hinterließ, der ihr nach und nach die Kontrolle über die Flotte verschaffte.

Auch im weiteren Verlauf machen sich immer wieder einige grobe Übersetzungsfehler ausgesprochen unangenehm bemerkbar.

Kiddy Grade Auf der zweiten DVD sind die Fehler zwar etwas weniger auffällig, doch auch hier scheint der Übersetzer stellenweise eher eigenen schriftstellerischen Neigungen folgen zu wollen, während er auch weiterhin einige bedeutende Bemerkungen, die den weiteren Verlauf der Handlung wesentlich bestimmen werden, geflissentlich übersieht.

Gerade für eine Serie wie Kiddy Grade, wo gerade diese Kleinigkeiten eine wesentliche Rolle spielen, und bei genauem Hinsehen Dinge verraten, die erst wesentlich später offenbart werden, bedeutet das eine ziemlich bedauerliche Fehlleistung.

Kiddy Grade Im Vergleich dazu erlaubt sich zwar auch die US-Fassung einige Freiheiten, doch diese werden eher dazu genutzt um die Charaktere und Szenen noch erheblich besser auf den Punkt zu bringen, als es die direkte Übersetzung tut. Die US-DVD erlaubt sich nicht umsonst den Luxus von zwei verschiedenen Untertitelspuren, einer Dubtitle-Fassung und einer präzisen Übersetzung des japanischen Tons.

Auch sonst sind die deutschen DVDs leider nicht ganz frei von Fehlern. Das erste Problem hört man schon kurz nach dem Einlegen der DVD: der TOKYOPOP Trailer ist viel zu laut abgemischt. Sofort nach dem Einlegen der DVD hechtet man zur Fernbedienung, um die Lautstärke zu drosseln, nur um sie kurz darauf wieder auf das gewohnte Niveau zu erhöhen.

Kiddy Grade Die Bildqualität ist dabei eigentlich ganz ordentlich, nur gelegentlich kann man an scharfen Rändern ein leichtes Kantenflimmern bemerken. Eine Ausnahme stellen jedoch das Opening der einzelnen Folgen auf der zweiten DVD dar, bei dem man sich verwundert fragt, wo jetzt plötzlich diese drittklassige Normwandlung herkommt. Im Sekundentakt zuckt das Bild und auch das Kantenflimmern ist wesentlich auffälliger als sonst. Im direkten Vergleich können die US-DVDs aber noch mal mit einem etwas kontrastreicheren und klareren Bild aufwarten.

Kiddy Grade Auch beim Ton kommt es zu etwas unerklärlichen „Pannen“, denn während der deutsche Stereoton auf den ersten beiden DVDs ganz normal als Dolby Digital 2.0 vorliegt, ist dies bei der japanischen Fassung nur auf der zweiten DVD der Fall, während die japanische Tonspur auf der ersten DVD im unkomprimierten PCM-Format vorliegt. Die US-DVDs bieten im Vergleich neben einer englischen und japanischen Dolby Digital 2.0 Tonspur auch noch eine englische Dolby Digital 5.1 Fassung, die allerdings vor allem bei den Effekten punkten kann, während bei der räumlichen Verteilung der Stimmen ausgerechnet die japanische Fassung ihren Konkurrenten überlegen ist.

In Bezug auf die Synchronisation befinden sich alle Fassungen auf einem ausgesprochen hohen Niveau, höchstens einige der Nebenrollen lassen gelegentlich Schwächen erkennen.

Kiddy Grade Die Untertitel der deutschen und US-DVDs sind alle weiß und mit einem dünnen schwarzen Rand versehen, allerdings sind die US-Untertitel ein wenig größer und erheblich besser lesbar als die deutschen Untertitel. Dank der besseren Übersetzung sind sie auch noch wesentlich besser verständlich als die deutschen...

An Extras bieten sowohl die deutschen, wie auch die US-DVDs Wendecover. Die deutschen DVDs enthalten jeweils ein kurzes achtseitiges Beiheft, das jedoch nur zur Hälfte für eine Episodenzusammenfassung und Hintergrundinformationen genutzt wird, während die andere Hälfte zur Werbung für andere Serien „missbraucht“ wird. Die US-DVD bringen auf ihrem Beipackzettel hingegen nur die Episodenzusammenfassungen unter, packen dafür aber teilweise deutlich umfangreichere Texte auf die DVD selbst.

Kiddy Grade Zusammenfassend kann man sagen, dass die Serie wohl nicht unbedingt bei jedem ankommen wird, da sie stellenweise doch recht überdreht ist. Wer sich jedoch auf sie einlässt, kann sich darauf verlassen, einige positive Überraschuingen zu erleben, denn in Bezug auf Wandlungsfähigkeit und Überraschungen kann hier kaum eine andere Serie wirklich mithalten.

Dabei sollte man jedoch nach Möglichkeit den Erwerb der US-DVDs in Erwägung ziehen, was in Anbetracht der recht guten deutschen Synchronfassung zu bedauern ist, doch was soll man machen, wenn der Übersetzung gute Teile der Handlung zum Opfer fallen und die US-DVDs auch noch wesentlich günstiger zu haben sind?

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Kiddy Grade

   
TV-Serie, 24 Folgen á 25 Minuten auf 8 DVDs
Tonspuren: Deutsch, Japanisch, je Dolby Digital 2.0
Herausgeber: TOKYOPOP
Ländercode: 2
Listenpreis: EUR 19,99 pro DVD

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