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Noir

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Handlung ] [ Charaktere ] [ Stil ] [ Bild ] [ Ton ] [ Extras ] [ Fazit ]


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Autor: Karsten Schubert
Bewertung: 5 Sterne
Einstufung: ab 16 Jahre
besprochenes Material: TV-Serie, 26 Folgen à 30 Min., englisch untertitelt, englisch synchronisiert (NTSC)
Firma: ADV Films

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Miyuki

Noir ist bei dieser Serie nicht nur der Titel, sondern gleichzeitig das Konzept, da dieser Action-Thriller über Attentäter in einer fiktiven Gegenwart Stilmittel und Hintergründe aus dem Genre des französischen Film Noir entnimmt und gekonnt in ein Anime-Umfeld verlegt. Das Resultat ist eine stimmungsvolle Actionserie mit einem ganz eigenen Stil, deren Handlung erst nach und nach geklärt wird.

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Die Handlung

Mireille Die Geschichte beginnt mit einer mysteriösen E-Mail, die die Auftragskillerin Mireille Bouquet in ihrer Pariser Wohnung erreicht. In dieser lädt sie ein Mädchen namens Kirika Yumura ein, gemeinsam mit ihr eine „Pilgerfahrt in die Vergangenheit“ zu unternehmen. Mireille will diese ungwöhnliche Mail schon löschen, als sie plötzlich eine Melodie hört, die sie erstarren läßt. Denn diese Melodie gehört zu einer Uhr, die vor einigen Jahren bei einem Anschlag auf ihre Familie verschwand, dem ihre Eltern und ihr älterer Bruder zum Opfer fielen.

Kirika So fährt Mireille nach Japan um dieses Mädchen zur Rede zu stellen. Als sie Kirika schließlich findet und anspricht, holt diese zwar tatsächlich die Uhr heraus, läuft dann jedoch scheinbar unvermittelt in ein im Bau befindliches Hochhaus. Mireille läuft ihr hinterher und will sie zur Rede stellen, doch da eröffnen Männer in schwarzen Anzügen das Feuer auf die beiden und Kirika verschwindet erneut, während Mireille die Gegner ausschaltet. Als sich Mireille wieder auf die Suche nach dem Mädchen macht, wundert sie sich über mehrere Tote. Dann will sich ein Mann scheinbar ergeben, doch sie gerät in einen Hinterhalt. Als sie schon den Lauf einer Waffe an der Schläfe spürt, brechen ihre Gegner plötzlich zusammen, tödlich getroffen von Schüssen aus Kirikas Waffe, und schließlich kann Mireille auch noch zusehen, wie dieses zierliche Mädchen den letzten Gegner mit großer Leichtigkeit im unbewaffneten Nahkampf ausschaltet.

Die Uhr Anschließend haben die beiden in Kirikas Wohnung die Gelegenheit ihre Verletzungen zu behandeln und sich miteinander zu unterhalten, doch Mireilles Fragen werden nicht beantwortet. Mireille kann Kirika zwar nachweisen, dass ihr Name und ihre „Vergangenheit“ nur eine Täuschung sind, doch Kirika selbst weiß nicht, wer sie ist! Sie weiß nur, daß sie vor ein paar Wochen in dieser Wohnung erwachte und daß sie „Noir“ ist, doch selbst ihren Namen hat sie nur aus einem Studentenausweis in ihrer Tasche. In einer Schublade fand sie eine Waffe, wie auch die Uhr, deren Melodie Mireille herbeirief. Sie weiß wie sie Waffen zu bedienen hat oder wie man Verletzungen behandelt, und das Töten eines Menschen fällt ihr erschreckend leicht, doch sie weiß nicht wo sie diese Fähigkeiten erlernt hat, oder warum es ihr unmöglich ist ihre Opfer zu bedauern (was Kirika selbst unglaublich schockiert). Doch zugleich kennt sie einige grausame Geheimnisse, darunter auch die Vergangenheit dieser Uhr.

Noir Gemeinsam mit Mireille möchte Kirika nun versuchen die Rätsel der Vergangenheit zu erforschen um damit auch eine Spur ihrer eigenen Identität zu finden. Mireille will zunächst ablehnen, schließlich hat sie schon immer alleine gearbeitet und es gehört auch nicht zu ihrer Aufgabe Menschen zu helfen, sondern sie lebt davon Menschen umzubringen. Schließlich willigt sie jedoch trotzdem ein, da sie die Hoffnung hat über Kirikas Gegner die Rätsel ihrer eigenen Vergangenheit zu lösen. Sie stellt jedoch eine Bedingung: Kein Attentäter kann es riskieren, daß ein anderer Mensch zuviel über die eigene Vergangenheit weiß, deshalb wird sie Kirika töten, wenn sie ihre Suche abgeschlossen haben... und Kirika willigt ein!

Mireille und Kirika So versuchen sie nun gemeinsam in einer Welt zu überleben, die auf den ersten Blick zwar vollkommen normal wirkt, doch unter der Oberfläche kämpfen Organisationen um Macht, denen Menschenleben nichts wert sind, die aber für das Ausschalten von Gegenspielern gut zahlen.
So verdienen sich Kirika und Mireille nun ihr tägliches Brot mit Auftragsmorden. Als Decknamen haben sie Noir gewählt, nach einem Motiv auf der Uhr, die die beiden zusammen geführt hat und gleichzeitig der einzige Name ist an den sich Kirika erinnert. Dabei versuchen sie eine Spur ihrer geheimnisvollen Gegenspieler aufzunehmen, die offenbar einiges Interesse an ihnen haben, denn sie sehen sich immer wieder mit Fallen und Angriffen konfrontiert, die auch für ihre Unterstützer eine tödliche Wirkung haben können.

So lernt man praktisch gemeinsam mit den Hauptcharakteren ihre Welt und deren Hintergründe kennen, wobei es schon bis Episode 5 dauert, bis sie überhaupt den Namen ihres Gegenspielers erfahren (Les Soldats) und erst im weiteren Verlauf wird klar, daß ihr Gegenspieler eine Jahrhunderte alte Geheimorgainsation ist, die über eine gewaltige Macht verfügt. Doch was ist überhaupt das Ziel dieses Spiels und welche Rolle spielen dabei Mireille und Kirika?

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Die Charaktere:

Mireille Bouquet

Tochter einer korsischen Familie, die in Mireilles Kindheit bei einem Attentat fast vollständig ausgerottet wurde. Dieses traumatische Ereignis und die gezielte Förderung eines Verwandten sorgte dafür, daß sie zur Auftragsattentäterin wurde und sich im Laufe der Zeit einen Ruf als besonders zuverlässig erwarb.
Sie lebt in einer Pariser Wohnung und stellt Kontakt zu ihren Mandanten bevorzugt per E-Mail her. Sie bevorzugt eine gründliche Planung und methodische Vorbereitung.

Sprecher: (englisch) Shelley Calene-Black (japanisch) Kotono Mitsuishi

Mireille

Kirika Yumura

Ein unter Amnesie leidendes Mädchen, vermutlich japanischer Herkunft, das sich weder an seine Vergangenheit noch an seinen Namen erinnern kann. Sie weiß nur, daß sie „Noir“ ist. Sie besitzt neben medizinischen Grundkenntnissen umfangreiche Kenntnisse über Waffen, gepaart mit einer geradezu übernatürlichen Geschicklichkeit, Imrovistaionstalent und ausgesprochen tödlichen Reflexen. Diese Fähigkeiten machen dieses vollkommen harmlos wirkende Mädchen zu einer nahezu perfekten Kampfmaschine.
Dabei zeigt sie ganz im Gegensatz zu Mireilles abgeklärten Verhalten durchaus Gefühle, allerdings erschrickt sie nicht etwa vor den eigenen Taten, sondern gerade davor, daß sie keinerlei Horror vor den eigenen Taten empfindet.

Sprecher: (englisch) Monica Rial (japanisch) Houko Kawashiwa

Kirika

Athena

Diese rätselhafte Person ist bereits in der ersten Folge zu sehen, allerdings versteht man nicht was diese friedliche, freundlich aussehende Frau mit ihren Weinbergen und ihrer Kapelle überhaupt mit der eigentlichen Handlung zu tun hat. Allerdings bekommt man schon sehr früh das Gefühl, daß sie Kirika und Mireille irgendwie beobachtet und mit ihrem Schicksal in Verbindung steht.
Erst im späteren Verlauf, mit dem Auftauchen von Chloe, wird ihre Rolle klarer.

Sprecher: (englisch) Tiffany Grant (japanisch) TARAKO

Athena

Chloe

Ab Folge 10 tritt auch diese messerwerfende Attentäterin in Erscheinung, die in ihren Fähigkeiten Kirika mindestens gleichwertig ist. Im Gegensatz zu dieser wird sie jedoch nicht von Selbstzweifeln geplagt, sondern sie führt bedingungslos die Aufträge ihrer Herrin Athena aus, wobei sie sich als „wahre Noir“ bezeichnet.
Ihre Beziehung zu Kirika und Mireille ist gelinde gesagt kompliziert, da sie einerseits den beiden Hindernisse in den Weg legt, sich aber auch einfach mal selbst bei den beiden zum Tee einlädt, wobei sie sich auch von den auf sie gerichteten Waffen nicht beeindrucken läßt, und den beiden sogar aktiv zu Hilfe kommt.

Sprecher: (englisch) Hilary Haag (japanisch) Aya Hisakawa

Chloe

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Der Stil:

Großaufnahme von Kirika Wie bereits erwähnt setzt diese Serie bevorzugt Mittel und Symbole des französischen „Film Noir“ ein. Bei der Handlung ist dies vor allem an den desillusionierten Hauptpersonen zu bemerken, die Menschen töten müssen, um selbst zu überleben. Auch Kirikas Amnesie ist ein ein geradezu klassisches Element dieses Genres.
Auch in technischer Hinsicht orientierte man sich an diesem Genre. So werden die Gefühle und Verhaltensweisen der Hauptfiguren immer wieder mit Hilfe von Flashbacks erklärt, während man bei den Kameraeinstellungen immer wieder gerne auf extreme Großaufnahmen oder auf Spiele mit Licht und Schatten vertraut, was gleichzeitig die Kosten für die Animationen ein wenig dämpft, vor allem aber zusammen mit den knappen Dialogen, stellenweise sehr stimmungsvollen Hintergründen und nicht zuletzt dem erstklassigen Soundtrack die Grundstimmung der Handlung effektvoll verstärkt, wobei man sich häufig genug auf die Erkenntnis verläßt, daß ein Blick mehr sagen kann als tausend Worte.
Dabei gelingt es der Serie, die Charaktere gleichzeitig mit geradezu unglaublichen Fähigkeiten auszustatten und sie damit sehr effektvoll in Szene setzen zu können, während sie gleichzeitig innerhalb der Handlung vollkommen glaubhaft wirken. So kann der Zuschauer mit den Charakteren mitfühlen und wird von ihnen regelrecht in die Handlung hinein gezogen. Man setzt sich nur mal kurz hin um eine weitere Episode anzusehen, doch dann kann man doch wieder nicht aufhören, bevor man auch die letzte Episode der DVD gesehen hat. Gleichzeitig wurden in die einzelnen Folgen lauter kleine Details versteckt, die man im Grunde erst viele Folgen später versteht. So hat diese Serie auch noch einen wesentlich höheren Replay-Value als viele andere Serien.

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Das Bild:

Paris bei Nacht Das Bild dieser TV-Serie ist wie bei einigen anderen Serien neueren Datums nicht mehr im alten 4:3 Format, sondern im 16:9 Format. Dadurch konnte man mittels anamorpher Speicherung auf der DVD dem Bild eine etwas bessere Detailauflösung verleihen als normalerweise üblich. Auch sonst beschränken sich Bildfehler lediglich auf ein sehr leichtes Kantenflimmern und ein leichtes Farbrauschen in dunkleren Farbflächen, die nur auf überscharfen Displays wie Computermonitoren wirklich ins Auge fallen, wo man auch mal Probleme mit falsch zusammengesetzten Halbbildern haben kann. Auf einem normalen Fernseher ist das Bild hingegen praktisch perfekt.
Die Zeichnungen und Animationen sind für eine TV-Serie ausgesprochen gut gelungen. Zwar wirken die Charaktere in einigen Szenen ein wenig farblos, dafür wurde an anderen Stellen unglaublich viel Mühe in stimmungsvolle Hintergründe und Licht- und Schatteneffekte investiert. Die Animationen wirken in manchen Straßenszenen etwas einfach, dafür sind die Waffen und Kampfszenen teilweise sehr aufwendig animiert.

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Der Ton:

Mireille und Kirika Auch der Ton ist für eine TV-Serie sehr gut gelungen. Sowohl der englische wie auch der japanische Ton liegen in Dolby Digital 5.1 Qualität mit einer Datenrate von jeweils 448 kbps vor, wobei die Abmischung mit guten Kinofilmen mithalten kann.
Dabei wird verhältnismäßig wenig gesprochen, was für die Sprecherinnen bedeutet, daß sie in den Dialogen besonders sorgfältig arbeiten und teilweise auch noch über die Nebengeräusche, wie das Atmen Gefühle ausdrücken müssen. Auch in dieser Hinsicht sind beide Fassungen gut gelungen. Aufgrund der wenigen Dialoge kommt auch dem Soundtrack eine größere Bedeutung zu, dem er sowohl in der Vielfalt (von der Melodie einer Spieluhr über Chormusik bis hin zu französischer Straßenmusik) wie auch in der Qualität (vor allem das Attentäterthema „Salva nos“ mit seiner Mischung aus Schlagzeug, Chorgesang und Synthesizern hat es in sich) voll gerecht wird.

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Die Extras:

Chloe Auch bei den Extras ließ ADV Films sich nicht lumpen. So hat man die üblichen einfachen Beipackzettel bei jeder DVD auf 6 Seiten aufgebläht und mit Produktionsnotizen und Anmerkungen der Macher dieser Serie versehen. Die DVDs selbst wiederum enthalten neben den üblichen textfreien Openings und Endings, Entwurfszeichnungen und Werbetrailern auch verschiedene Interviews mit den japanischen Synchronsprecherinnen.
Besondere Mühe hat man sich hingegen bei den allseits beliebten Easter Eggs gegeben: Der ersten DVD liegt eine Pappbrille mit Farbfilter bei, mit deren Hilfe man in einem kleinen Farbfeld auf dem Beipackzettel einen kleinen Text entziffern kann, der jeweils in Form eines kleinen Rätsels beschreibt, wie man das Easter Egg der jeweiligen DVD freischalten kann. Dahinter verbergen sich auf den ersten drei DVDs teilweise recht lange Interviews mit den englischen Synchronsprecherinnen, während die vierte DVD eine zwei Episoden lange Kommentarspur mit den vier englischen Hauptsprecherinnen und Matt Greenfield (Synchronregisseur und Leiter von ADV Films) enthält, wobei vor allem die Sprecherinnen regelrecht die Sau heraus lassen, wodurch gerade dieses Extra sich als unterhaltsam und sogar informativ heraus stellte. Die Easter Eggs der letzten drei DVDs sind noch nicht bekannt.

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Fazit:

Chloe Eine Serie, die trotz ihrer Konzeption als Actionserie vor allem von ihren Charakteren lebt. Dafür wird den Charakteren auch sehr viel Zeit zur Darstellung eingeräumt. Wo andere Serien einfach Gespräche einflechten in denen die Vergangenheit einer Person erklärt wird, kann hier schon einmal der Anblick eines Gegenstandes dazu führen, daß der Zuschauer zum wiederholten Male eine Erinnerung eines Charakters ansehen muß, ohne dass dabei inhaltlich etwas Neues passiert, sondern man bekommt einfach einen zusätzlichen Einblick in die Gefühlswelt eines Charakters. Auch sonst sind es häufig genug stille Szenen, die einfach durch eine geschickte Mischung aus wunderschön gezeichneten Hintergründen, geschickt eingesetzten Licht- und Schatteneffekten und der emotionsgeladenen Musik den Zuschauer wesentlich stärker bewegen können als ein anschließendes Feuergefecht, bei dem mal wieder dutzende von Nebendarstellern aus dem Leben scheiden.
Aufgrund der guten Ausstattung der DVDs kann man dabei auch über den etwas höheren Preis (sieben DVDs für 26 Folgen) hinwegsehen und eine Kaufempfehlung für alle Animefans aussprechen, die auch hintergründiger Action etwas abgewinnen können. Wer hingegen noch etwas unsicher ist, sollte vielleicht noch einen Blick auf die offizielle Homepage werfen, bevor man das Risiko eingeht sich eine der besten Anime-Serien der letzten Jahre entgehen zu lassen!

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Daten

   
Originaltitel: Noir
Regie: Ryoe Tsukimura
Drehbuch: Ryoe Tsukimura
Character Design: Yoko Kikuchi, Minako Shiba, Satoko Miyachi
Musik: Yuki Kajiura
Vorlage: Ryoe Tsukimura
Produktionsjahr: 2001
Genre: Action

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