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Ponyo – Das gro�e Abenteuer am Meer: Die deutsche DVD und Blu-ray

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Autor: Karsten Schubert


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Das deutsche Ponyo DVD-Cover Hayao Miyazakis bislang letzter Film war in Deutschland bislang etwas vom Pech verfolgt. W�hrend Miyazakis letzte Filme sehr schnell in Deutschland ver�ffentlicht wurden, geriet die Kinover�ffentlichung dieses Films in ein Rechtechaos, bis er ganze zweieinhalb Jahre nach der japanischen Premiere und �ber ein Jahr nach der US-Premiere auch in den deutschen Kinos einen eher kleinen Auftritt hatte. Kann Universum Films mit der f�r den 18. M�rz 2011 geplanten Ver�ffentlichung auf DVD und Blu-ray ein besseres Ergebnis erzielen?

Doch zun�chst einmal, wovon handelt der Film eigentlich?

Ponyo und ihre Schwestern Ponyo ist ein kleiner Fisch mit Zauberkr�ften. Ihr Vater ist ein etwas verwirrter Zauberer, der auf seinem U-Boot davon tr�umt, der Verschmutzung der Meere durch die Menschen ein Ende zu bereiten, w�hrend ihre Mutter keine Geringere als die G�ttin der Meere ist.

Der Hintergrund w�rde auf die Geschichte der kleinen Meerjungfrau hindeuten, doch es w�re kein Miyazaki-Film, wenn er nicht ein bekanntes Szenario vollkommen anders ausspielen w�rde. Auch hier rei�t die kleine Ponyo von Zuhause aus um sich den Himmel anzusehen, doch sie droht beinahe von einem Fischtrawler gefangen zu werden, bis sie das Gl�ck hat durch die Maschen des Netzes zu entkommen. Leider landet sie bei ihrer Flucht in einem Einweck-Glas, aus dem sie sich nicht befreien kann. Doch gl�cklicherweise bleibt das Glas nahe des Ufers liegen. So wird sie von dem kleinen Sosuke gefunden und aus dem Glas befreit, der sie nun mit in den Kindergarten nehmen will. Also landet sie mit etwas Wasser in einem Eimer und wird von Sosukes Mutter zum Altenheim gefahren in dem sie arbeitet und neben dem auch gleich der Kindergarten liegt. Da Sosuke noch nicht gefr�hst�ckt hat, bekommt er von seiner Mutter ein Sandwich und will nat�rlich sofort anfangen den Fisch mit Brot zu f�ttern, doch das l�sst sich die kleine Ponyo nicht bieten, sondern klaut ihm den Schinken vom Brot.

Sosuke bei der Fischrettung Im weiteren Verlauf schafft es Ponyos Vater zwar wieder seine kleine Tochter zur�ck zu holen, doch Ponyo fordert von ihm jetzt Schinken statt Gr�nzeug zum essen und schimpft �ber ihre Flossen. Sie will F��e wie Sosuke. Ihr Vater verliert die Kontrolle, denn bei ihrer Rettung durch Sosuke hatte dieser sich verletzt und sie hat einen Tropfen seines Blutes getrunken. Dadurch und mit Hilfe der Zaubertr�nke ihres Vaters und ihrer kleinen Schwestern will Ponyo als kleines M�dchen zu Sosuke zur�ckkehren, ohne dass sie sich dar�ber im klaren ist, dass sie mit ihrer Flucht katastrophale St�rme ausgel�st hat und der Mond auf die Erde zu st�rzen droht.

Ponyo mit dem Schinken Schon wenn wir uns die Handlung ansehen, kann man erkennen warum der Film in den deutschen Kinos eher schlechte Karten hatte. Miyazaki hat diesen Film f�r ein sehr junges Publikum ausgelegt. Sogar Totoro war in seiner Zielgruppe weniger jung, da der Film zwar teilweise die vierj�hrige Mai begleitete, doch der Film doch eher aus Sicht ihrer Schwester, der zehn Jahre alten Satsuki erz�hlt wurde. Die Welt von Ponyo ist hingegen noch weit magischer und auf der anderen Seite von der Handlung her sehr einfach gehalten. So k�nnen bereits F�nfj�hrige der Geschichte folgen, doch Kinder in diesem Alter sind in deutschen Kinos die absolute Ausnahme. Ganz anders als zum Beispiel in den USA, wo sowieso zahlreiche Kinos in den gro�en Shopping Malls untergebracht sind und als Babysitterersatz dienen, w�hrend die Eltern beim Einkaufen sind. Kein Wunder also, dass der Disney-Konzern mit dem Film weniger Probleme hatte, w�hrend der Film in der deutschen Kino-Landschaft nur floppen konnte.

Ganz anders sieht es hingegen f�r den Heimkinomarkt aus. Da kann der Film f�r die j�ngeren Familienmitglieder gekauft und mit der ganzen Familie angesehen werden. Zahlreiche Elemente der Handlung wie zum Beispiel die Reaktionen von Sosukes Mutter sind recht vielsagend.

Ponyo und ihr Vater Was macht man, wenn scheinbar aus dem Nichts ein kleines M�dchen auftaucht und ihr kleiner Sohn glaubt darin seinen Goldfisch wieder zu erkennen? Nun, man konzentriert sich erst einmal auf die konkrete Situation. Man hat zwei Kleinkinder drau�en bei Sturm und Regen stehen, also schafft man sie erstmal ins warme Haus und nimmt das kleine M�dchen, das offensichtlich eine Freundin von Sosuke ist, bei sich auf. Alles andere wird sich finden. In diesem Film sind halt auch Meeresg�ttinnen und Magier letztendlich nur Eltern. Doch man darf dabei nicht aus dem Auge verlieren: Prim�r ist der Film f�r F�nfj�hrige ausgelegt.

Dabei hat sich der kindliche Charakter nicht nur auf die Story, sondern auch auf die Zeichnungen selbst ausgewirkt. Kaum eine Linie ist wirklich gerade und auch die normalerweise eher perfekten Hintergr�nde sind bei genauerer Betrachtung eher grob gemalt, was andererseits dem Bild etwas mehr Struktur verleiht. Vor allem im Vergleich mit den eher einfach gehaltenen Charakteren selbst. Auch bei den Effekten selbst hat man sich zur�ck gehalten. Anstelle von 3D-Animationen wie in Das wandelnde Schloss wurde hier wieder fast alles per Hand gezeichnet (der Computer ist nat�rlich immer noch f�r Inbetween-Animationen und Colorierung verantwortlich). Vor allem bei gr��eren Bilddiagonalen unterst�tzen diese Elemente den m�rchenhaften Charakter der Handlung zus�tzlich.

Die deutsche Blu-ray:

Sosuke, Ponyo und Sosukes Mutter Obwohl die deutsche Blu-ray dabei lediglich eine Datenrate von 15-20 Mbps hat (mit einer VC-1 Kompression), ist das Bild praktisch identisch mit der vor einem Jahr erschienenen US-Blu-ray, die mit einer AVC-Kompression auf eine Datenrate von 22-28 Mbps kam. Es ist unverkennbar, dass die verbleibenden Fehler, wie zum Beispiel zitternde Begrenzungslinien der Quelle und nicht den Blu-rays anzulasten sind.

Beim Ton kann sich die deutsche Blu-ray sogar von ihrem amerikanischen Gegenst�ck absetzen. Man kann zwar nur schwer von einem Qualit�tsunterschied der englischen DTS-HD 5.1 Fassung der US-Blu-ray und der deutschen DTS-HD 6.1 Fassung nachweisen, doch w�hrend auf der deutschen Blu-ray auch der japanische Ton in DTS-HD 6.1 vorliegt, kann die US-Blu-ray nur mit einem Dolby Digital 5.1 Mix der japanischen Fassung aufwarten. Der Unterschied f�llt bei den Stimmen zwar nicht weiter auf, aber daf�r umso mehr beim Soundtrack. Nicht umsonst hat Joe Hisaishi diesen mit einem gro�en Symphonieorchester mit 90 Instrumenten eingespielt.

Ponyos Eltern und das U-Boot Dabei h�lt sich die deutsche Synchro immerhin deutlich enger an den japanischen Text, auch wenn man hier und da gr��ere Verrenkungen durchf�hren musste. Die kleinen Kinder sprechen nun einmal weitaus weniger und wenn man dann noch die deutschen Texte synchron sprechen will, wird es schwierig. Doch im Vergleich zur US-Fassung sind diese Unterschiede gering, denn dort hat man massiv die Texte an die Zielgruppe angepasst. So hat man zum Beispiel Anspielungen auf Ver�nderungen in der DNA abge�ndert (welche F�nfj�hrigen wissen schon was die DNA ist?) oder auch das Abspannlied um drei Minuten verl�ngert um einen Techno-Remix unterzubringen, der dem US-Geschmack besser entspricht.

Au�erdem ist die Benutzerfreundlichkeit der deutschen Blu-ray weitaus h�her. Nach dem �blichen Universum-Trailer und dem �blichen, aber nutzlosen BD-Live Update Checks ist man praktisch sofort in einem einfach gehaltenen aber zweckm��igen Men�, in dem man blitzschnell �berall hin kommt. Ganz anders die amerikanische Disney Blu-ray, die wie �blich mit Werbetrailern beginnt die man zum Gl�ck auf einen Knopfdruck unterbrechen kann. Doch danach ist die Blu-ray erst einmal damit besch�ftigt, Tonnen an Java-Code zu laden um ein sehr zickiges und kompliziertes Men� zu erreichen. Da kann man nicht einfach den Film starten, nein, erst mu� man in einem Untermen� ausw�hlen ob man nicht vielleicht noch eine dreimin�tige Einleitung der US-�bersetzer vor dem Film sehen will. Und um den japanischen Ton mit englischen Untertiteln zu w�hlen, muss man zuerst im Setup den japanischen Ton einstellen (der ist im Film nicht direkt zu erreichen) und danach die englischen Untertitel einschalten. Nur dann erh�lt man die echten �bersetzungen des japanischen Tons, denn die normalen englischen Untertitel sind die �blichen Dubtitles f�r Schwerh�rige. Dabei hat man sich zwar sogar den Luxus geleistet, per BD-Java die letzte Position zu speichern, wo der Film gestoppt wurde. Doch die deutsche Blu-ray schafft den gleichen Effekt, indem sie auf das komplizierte Java verzichtet, womit sich die Player selbst die letzte Position merken.

Ponyo im Boot Auch beim Bonusmaterial gibt es deutliche Unterschiede. W�hrend die US-DVD vor allem auf kurze Interview-Schnipsel setzt und dabei immer wieder versucht den gro�en Kontext zu erfassen (so spricht der Filmmusik-Komponist Joe Hisaishi erst vier Minuten �ber Totoro, Kiki und Laputa um schlie�lich zu Ponyo zu kommen), kommt die eigentliche Produktion von Ponyo dabei doch zu kurz. So wird zum Beispiel noch nicht einmal erw�hnt, mit was f�r einen grossen Orchester Joe Hisaishi letztendlich den Soundtrack einspielte.

Das deutsche Blu-ray Cover Im Vergleich macht es sich Universum Film erheblich einfacher und packte einfach mehrere japanische Interviews und Sendungen auf die Blu-ray. Allen voran ein 50 Minuten langes Special �ber die f�nf Sch�pfer von Ponyo, doch in diesen Interviews und Specials erf�hrt man im Grunde wesentlich mehr �ber den Film und seine Hintergr�nde, als bei der US-Blu-ray, wo man stellenweise in einer Dauerwerbesendung f�r andere Ghibli-Filme steckt.

Alles in allem eine sehr gelungene Blu-ray, die sich bis auf ein Detail deutlich von der US-Blu-ray abheben kann: Das Cover. Bei den Miyazaki Blu-rays denkt Universum Film offenbar sehr stark an Sammler und setzt daher auf ein schlichtes blaues Cover mit einem einfachen Schattenwurf der Hauptcharaktere. Bei der DVD, die auch mal neue Leute ansprechen muss, wird hingegen auf ein normales Bild vom kleinen Fisch Ponyo gesetzt.

Allerdings steht und f�llt der Film mit einem grunds�tzlichen Problem: Er ist nun einmal auf F�nfj�hrige zugeschnitten. Andere Zuschauer m�ssen sich darauf einstellen. Man bekommt zwar einen ganz niedlichen Film, aber ohne wirklich viel Inhalt. Man darf nicht gro� nach den Hintergr�nden fragen, sondern muss die Handlung einfach akzeptieren. Man ist nur Zaungast.



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Ponyo – Das gro�e Abenteuer am Meer

   
Laufzeit: 100 Minuten
Ton: Japanisch, Deutsch DTS-HD 6.1
Herausgeber: Universum Film
   
Preise: DVD: € 13,99
  Special Edition Doppel-DVD Box: € 17,99
  Blu-ray: € 21,99
   

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