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Der ewige Kreislauf
Mamoru Oshii hat sich seit den Zeiten von Patlabor oder Ghost in the Shell gewandelt, ist sich aber in anderen Punkten treu geblieben. Wie weit er sich treu blieb kann man in seinem neuesten Werk sehen, das seinen Weg nun auch auf den deutschen Markt geschafft hat und zwar sowohl als DVD wie auch als Blu-ray. Die Rede ist von The Sky Crawlers.
Sky Crawlers spielt in einer fiktiven Welt die vom Zeitverlauf der heutigen Gegenwart entsprechen könnte, mit ein paar entscheidenden Unterschieden. So stellt Krieg keine allgemeine Bedrohung dar, sondern das Leben der meisten Menschen verläuft absolut friedlich, dennoch Verlieren Menschen in tödlichen Kämpfen Tag für Tag ihr Leben in tödlichen Auseinandersetzungen. Der Grund: Man hat Kriege privatisiert. Es sind keine Staaten die gezielt mit Waffen aufeinander losgehen, sondern Konzerne, die ausschließlich gegeneinander Krieg führen. Im Auftrag der Europäischen Union arbeitet Rostock, während ihr Gegner der Lautern Konzern ist. Beide Konzerne unterhalten eine eigene Luftwaffe, die gegeneinander antreten, während sie sonstiges Eigentum nicht anrühren dürfen.
Da unter solchen Bedingungen Kollateralschäden natürlich eine ganz andere Rolle spielen unterscheiden sich auch die Kriege und ihre Mittel. Man kann es ganz einfach nicht riskieren das Kampfflugzeuge aus mehreren Kilometern Entfernung aufeinander los gehen und ihre Luft-Luft Raketen plötzlich ein Wohnhaus treffen. Statt dessen sind die Kampfflugzeuge immer noch im Propellerzeitalter die im engen Kurvenkampf mit MGs aufeinander feuern. Allerdings hat man Flugzeuge des zweiten Weltkrieges etwas weiter entwickelt. So besitzen die meisten Flugzeuge gegenläufige Doppelpropeller. Dadurch sind die Flugzeuge besser zu steuern und sie übertragen die Kraft ihrer Motoren fast so gut an die Luft wie es Düsenflugzeuge tun. Dennoch sind sie in ihrer Geschwindigkeit vergleichsweise eingeschränkt, da sie nicht wie Düsentriebwerke mit internen Überdruck arbeiten können und weitaus mehr bewegliche Teile benötigen.
Doch in diesen Film geht es nicht so sehr um die Technik, oder die normalen Menschen, die der ganzen Veranstaltung wie einer Sportveranstaltung folgen, sondern um die Frage: Was denken sich die Piloten, die die Opfer in diesen makaberen Schauspiel sind. Dafür begleitet der Film einen dieser Piloten. Yuichi Kaname, ein Könner der schon viele Schlachten erlebt und überlebt hat. So viele dass er vollkommen den Überblick verloren hat und er laufend Deja Vu Erlebnisse hat. Dabei ist er kein normaler Mensch, sondern ein sogenanntes Kildren. Ein Mensch der nicht altert, bis er im Kampf stirbt. Er befindet sich auf dem Weg zu seiner neuen Basis, doch dort überlebt er eine Überraschung.
Warum gibt es hier ein neues Flugzeug für ihn, aber keinen Piloten, der ihm diese Maschine übergeben kann. Auf seine Rückfragen nach diesen geheimnisvollen Piloten erhält er immer wieder ausweichende Antworten. Doch bei seiner Suche nach Antworten stößt er immer wieder auf neue Fragen.
Wie man unschwer sieht ist die Story neu, und auch die optische Aufmachung hat man so in einem Anime noch nicht erlebt. Vor allem die Luftkämpfe sind ausgesprochen eindrucksvoll umgesetzt. Dennoch überkommt den Zuschauer schnell ein eigenes Deja Vu Erlebnis. Zu unverkennbar ist der Soundtrack von Kenji Kawai, vor allem wenn man Ghost in the Shell kennt. Und erst recht bei Kanames Chefin wird der Wiedererkennungseffekt übermächtig, denn diese heißt nicht nur Suito Kusanagi, sondern sie sieht auch noch genauso aus wie Major Kusanagi aus, die alte Hauptfigur aus Ghost in the Shell, einzig die Kleidung wirkt neu. Dennoch ist auch diese Figur anders. So raucht sie zum Beispiel laufend. Auch ist sie selbst nur noch bedingt auf der Suche, sondern sie besitzt die Antworten auf die meisten Fragen, die Kaname bewegen. Und auch wenn sie es zunächst verbirgt ist doch erkennbar, dass sie durch Kanames Anwesenheit innerlich aufgewühlt ist. Könnte sie tatsächlich etwas mit dem Verschwinden seines Vorgängers zu tun haben?
Natürlich kommt auch in diesen Film wieder ein anderes Markenzeichen von Mamoru Oshii vor, ein Bassett Hound, der in diesen Fall das Maskottchen des Heimatflughafens ist.
Kommen wir nun zu den technischen Eigenschaften, wobei wir vor allen Dingen näher auf die Blu-ray eingehen, die im Mittelpunkt dieses Reviews steht. Da haben wir zunächst die Zeichnungen und Animationen. Bei diesen Punkt ist zu sagen, dass wir hier zwei streng voneinander zu trennende Bereiche haben. Zunächst, die eigentlichen Flugzeuganimationen die zum überwiegenden Teil in 3D vorgenommen wurden, während die Charaktere selbst, wie auch zahlreiche Bodenszenen in 2D animiert wurden. Die Gesichter der Charaktere selbst, wirken dabei ein wenig detailarm und auch einige der Animationen könnten etwas flüssiger sein, dennoch ist es beeindruckend, was man hier alles animiert hat. Während andere Serien versuchen möglichst viel mit Standbildern auszudrücken versucht man hier sogar die Ausgleichsbewegungen darzustellen die ein Mensch unwillkürlich durchführt, wenn er steht..
Doch damit man die Einstellungen trotzdem als eine Einheit wahrgenommen werden muss man etwas improvisieren. Hier hat man zu diesen Zweck sehr gerne auf Weichzeichner zurück gegriffen, der auch noch in einigen Szenen besonders intensiv eingesetzt wurde um die Stimmung der jeweiligen Szene zu unterstreichen. Das führt zu der paradoxen Situation, dass trotz des hohen Aufwands kaum eine Szene wirklich scharf abgebildet wird. Wer also von einer Blu-ray ein besonders scharfes Bild erwartet, wird enttäuscht werden. Die Stärke der Blu-ray liegen bei diesen Film in anderen Bereichen. Vor allem die präzisen und sauberen Farben kommen hier gut zur Geltung. Der Film vermeidet nämlich in vielen Fällen präzise Primärfarben, sondern der ganze Film ist primär in dunklen, erdenen Farben gehalten. Die Sonne scheint fast nur über den Wolken und sogar bei den Flugaufnahmen hat man häufig genug mit sehr gedämpften Farben gearbeitet, so als ob es historische Aufnahmen wären. Es ist schon beinahe selbstverständlich das der Film in 24p Abtastung vorliegt, oder korrekter mit 23,976 Bildern pro Sekunde (eine Unterscheidung die zahlreichen Scaler Herstellern, aber auch Intels Clarksdale GPU massive Kopfschmerzen bereitet). Bei Datenraten von bis zu 35 Mbps (praktisch identisch zur US-Blu-ray) sind auch Artefakte eher dem Weichzeichner, als der Komprimierung der Blu-ray anzulasten.
Wenden wir uns nun dem Ton zu. Da hat man auf der deutschen Blu-ray durchaus geklotzt, nicht gekleckert, denn der deutsche wie auch japanische Ton liegen jeweils im Verlustfreien DTS-HD MA 6.1 Format vor. Dieses Format hat Vorteile gegenüber den Dolby True HD 5.1 Fassungen der US-Blu-ray. Nicht nur, dass bei der deutschen Abmischung ein Back Surround Lautsprecher direkt angesprochen wird, der Ton der US-Blu-ray muss in Verbindung mit einem Receiver ohne Unterstützung der HD Tonformatze erst vom Player umgerechnet und dann mit einer Datenrate von 480 kbps zum Receiver übertragen werden, wo bei der deutschen Blu-ray einfach die HD Rest abgeschnitten wird und ein normales DTS Signal mit der maximalen Datenrate von 1,5 Mbps zum Receiver geht. Dieser Unterschied ist hörbar. Auch die deutsche Synchro ist durchaus hörenswert. Dabei hat man (im Gegensatz zur US Blu-ray) auch bei der Synchro noch halbwegs die Feinheiten des japanischen Tons erhalten , man hat nur die deutschen Dialoge ein wenig lauter abgemischt. Weder vom Soundtrack, noch von den Effekten hat man besondere Einschränkungen, auch wenn Soundtrack und Dialoge praktisch nur die Frontbühne dominieren und einzig die Effekte den gesamten Raum nutzen.
Leider gibt es trotz allen eine Fehlentscheidung bezüglich des deutschen Tons zu kritisieren. man hat lediglich die Dialoge am Boden synchronisiert. Da auch bei der japanischen Originaltonspur die CNN artigen TV-Spots und die Flugsequenzen englisch gesprochen wurden und bei den Flugaufnahmen die Sprecher auch noch Masken trugen hielt man es offenbar nicht für nötig solchen Aufwand mit den deutschen Sprechern zu betreiben, wenn man sowieso die Stimmen schlecht verstehen kann. Allerdings gibt es zwei Probleme:
1. Wo es bei den Nachrichten Spots keine Probleme gibt, da man offenbar wirklich eine amerikanische Sprecherin für die Rolle einsetzte, werden die englischen Flugszenen meist von den japanischen Sprechern gesprochen die wie üblich, trotz aller Mühe, zum Teil eine äh interessante Aussprache an den Tag legen (oder wie es mein Japanisch Lehrer einst ausdrückte: "Sie sollten nach diesen Kurs einen Englisch Kurs belegen um die Sauereien, die sie hier lernen, wieder aus dem System zu kriegen.").
2. Wo bei der DVD, womöglich noch bei Tonwiedergabe durch den Fernseher die Überlegung stimmt, dass ein Sprecher während des Fluges durch Störungen und Maske sowieso nicht zu identifizieren ist, trifft dies bei der Blu-ray nicht mehr zu. Man kann die Sprecher mit einer vernünftigen Anlage halbwegs gut identifizieren und man muss erst mal schlucken um zu akzeptieren dass Kaname der Pilot Cairn ist, denn es ist eindeutig nicht seine Stimme..
Der Handlung kann man dennoch folgen, denn man hat die meisten Flugszenen und die CNN Kommentare einfach mit deutschen Zwangsuntertiteln versehen.
Trotz dieser Einschränkungen ist der Ton für Anime-Verhältnisse ausgesprochen gut, auch wenn man einräumen muss dass die Skywalker Studios, die mit den Soundeffekten betraut wurden, durchaus noch mehr leisten können ist der Ton in Anbetracht der geringeren Budgets ausgesprochen gut. Allerdings muss gesagt werden, dass ich zwei US-Blu-rays in der Review Pipeline habe, die vom Ton noch besser sind!
Da wir schon bei Zwangsuntertiteln waren, wenden wir uns jetzt den Untertiteln zu. Diese sind weiß, mit schwarzen Rand und ausreichend gut dass sie auch auf kleineren Fernseheren noch lesbar bleiben. Neben den Zwangsuntertiteln gibt es noch eine Untertitelspur für den deutschen Ton, die jedoch genau betrachtet nur von 1:18:30 bis 1:19:30 arbeitet, da man ansonsten wenn nötig mit Zwangsuntertiteln arbeitet, und natürlich eine Untertitelfassung für den japanischen Ton, die sich auch ausgesprochen gut an die japanischen Dialoge hält, ganz anders als die deutsche Synchro die sich aus guten Grund ein paar Freiheiten herausnimmt um die Handlung noch besser auf den Punkt zu bringen.
Der Handlung kann man dennoch folgen, denn man hat die meisten Flugszenen und die CNN Kommentare einfach mit deutschen Zwangsuntertiteln versehen.Kommen wir nun zu den Extras. Wie auch die US Blu-ray kann auch die deutsche Blu-ray mit 3 HD Videos mit einer Minute 20 mit Interviews und Dokumerntation der Produktion, dem Besuch der Skywalker Studios sowie der polnischen Ortbesichtigungen aufwarten. Des weiteren gibt es den deutschen und 3 japanische Trailer von Sky Crawlers.
Und es gibt noch ein Extra das unbedingt erwähnt werden muss: Die Hülle. Wo man bei der US Blu-ray mit einer ausgesprochen schlechten und dünnen Blu-ray Hülle abgespeist wird, kommt die deutsche Blu-ray im formschönen und gut gestalteten Steelbook daher. Selbstverständlich kann von dieser auch der FSK Aufkleber recht einfach abgezogen werden.
Alles in allem eine durchaus empfehlenswerte Blu-ray, doch auch mit der DVD wird man in Anbetracht des günstigeren Preises recht gut bedient. Allerdings muss man wissen dass man es mit einem ausgesprochen ernsten und düsteren Film zu tun hat. Auch ist das eigentliche Ende, das erst nach dem Ende des Abspannes kommt, eigentlich vorhersehbar. Neben dem Fehler bei der deutschen Synchro, den nicht immer ganz überzeugenden Charakter-Animationen und der ein wenig an den Haaren herbei gezogenen Handlung fällt es ausgesprochen schwer Kritikpunkte zu finden.
Besitzer von Ghost in the Shell 2 - Innocence werden zwar einige Stilmittel wiedererkennen, doch das ist ja nichts schlechtes. Mamoru Oshii ist es wieder einmal gelungen einen recht interessanten Film auf die Beine zu stellen was auch außerhalb der typischen Anime Fangemeinde auf Interesse stoßen könnte.
| Laufzeit: |
122 Minuten |
| Ton: |
Japanisch, Deutsch DTS-HD MA 6.1 |
| Herausgeber: |
Universum Film |
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