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| Autor: |
Karsten Schubert |
| Artikel erschienen in: |
FUNime Nr. 42, Seite 15, Juni 2005 |
Appleseed war im wesentlichen der Anfangspunkt in der Karriere von Masamune Shirow, der heute eher durch Werke wie Ghost in the Shell oder auch Tank Police bekannt ist. Gleichzeitig war es einer der wenigen Manga, die schon vor der Veröffentlichung von Dragon Ball auf dem deutschen Markt einen gewissen Erfolg hatten, was vor allem der ausgefeilten Handlung und den Charakteren zu verdanken ist.
Leider wurde der Manga von Appleseed nicht zu einem zufriedenstellenden Ende fortgeführt und auch eine OVA aus dem Jahre 1988 (die gerade durch Panini/SPV in Deutschland veröffentlicht wird) konzentrierte sich nur auf Action-Szenen, ohne die Handlung fortzusetzen. Doch 2004 wurde ein neuer Film produziert, allerdings nicht als echter Anime sondern in einer computergestützten Technik, die man leicht überschwenglich als 3D Live Anime bezeichnet.
Die Handlung des neuen Filmes beginnt damit, dass Deunan Knute zusammen mit ihrer kleinen Einheit einen Hinterhalt vorbereitet, doch der Gegner dreht den Spieß einfach um und schaltet mit Cyborgs und Panzern ein Mitglied ihrer Einheit nach dem anderen aus. Als schließlich auch Deunan vollkommen umzingelt ist, taucht ein mysteriöser Helikopter auf, der das Feuer auf die Panzer eröffnet und dessen Besatzung mit den Angreifern kurzen Prozess macht. Deunan wird betäubt und als sie wieder aufwacht, findet sie sich in Olympus wieder, einem modernen Utopia. Die Bevölkerung besteht zum Großteil aus Bioroids, einer neuen Art von Menschen mit kontrollierten Gefühlen, die dem Computernetzwerk der Stadt helfen sollen, den Frieden in der Stadt dauerhaft zu garantieren. Doch manche Menschen sind nicht mit dieser Kontrolle einverstanden, selbst wenn sie ihnen ein Paradies beschert. Es kommt zu Terroranschlägen und schließlich sogar zu einem Zwischenfall, der das Überleben der Bioroids in Frage stellt...
Auch der neue Film neigt dazu, sich mehr auf Action-Szenen zu konzentrieren, doch man war gleichzeitig so intelligent, die typische Polizeiarbeit von Deunan und ihrem Partner, dem Cyborg Briareos, auf das Nötigste zu beschränken. Stattdessen griff man die zahlreichen Andeutungen aus dem Manga auf, beginnt den Haupthandlungsfaden über Olympia neu aufzugreifen und die Geschichte bis zu einem vernünftigen Ende fortzuspinnen.
Eine wesentliche Rolle für den neuen Film spielt natürlich die neue „Animationstechnik“. Diese basiert nur noch zu kleinsten Teilen auf klassischen Zeichnungen. Nach den Zeichnungen werden 3D-Computermodelle der einzelnen Figuren erstellt, die man schließlich mittels Motion Capturing von echten Schauspielern animiert. Das Ergebnis wird schließlich in eine 3D-Umgebung eingefügt und anschließend das ganze wieder mit Hilfe von Toon-Shadern soweit verfremdet, dass es einem Anime ähnelt. Dieses Verfahren hat Vor- und Nachteile. Dank des Motion Capturing kann man in vielen Fällen flüssige Bewegungen herstellen, die in einem klassischen Anime kaum denkbar wären. Außerdem kann die Kameraführung wesentlich dynamischer erfolgen. Probleme gibt es allerdings bei Details wie der Haltung der Finger und bei Kleidung. Auch Gesichter haben (trotz separaten Motion Capturings) die Neigung, maskenhaft zu wirken, wenn man sie nicht aufwendig nachbearbeitet. Dafür gibt es bei reflektierenden Oberflächen und Maschinen sowie Spezialeffekten wie Rauch eindeutige Vorteile.
Generell hat man es jedoch bei Appleseed geschafft, die Probleme vor allem in der zweiten Hälfte des Films im überschaubaren Rahmen zu halten. Ob einem diese Art der Darstellung zusagt, ist jedoch zum großen Teil Geschmackssache. Verglichen mit anderen aktuellen Filmen wie Ghost in the Shell: Innocence hat man es zumindest geschafft, ein wesentlich ausgeglicheneres Ergebnis abzuliefern. Die eindrucksvollen Szenen wirken weniger auffällig, doch auch die Patzer fallen bei weitem weniger auf. Vor allem hat man hier wirklich eine Handlung zu erzählen.
Wie nicht anders zu erwarten, kann die DVD mit einem erstklassigen Bild in anamorpher Abtastung aufwarten. Außerdem gibt es gleich vier Tonspuren, neben der recht ordentlichen englischen Dolby-Digital-5.1-Fassung liegt der japanische Ton in Dolby Digital 5.1 und DTS vor, ist von der Abmischung jedoch ein wenig misslungen. So sind die Stimmen häufig zu leise und die Musik und stellenweise auch der LFE zu laut. Das sind zwar keine besonders gravierenden Fehler, allerdings hat man offenbar in Japan mal wieder zur falschen Abmischung gegriffen und nicht die Tonspuren der japanischen DVD in die USA geschickt. Daher arbeitet Geneon dem Vernehmen nach an einem Umtauschprogramm für die Leute, die sich nicht sowieso auf den recht guten englischen Dub verlassen. Die vierte Tonspur ist eine Kommentarspur mit dem Regisseur Aramaki Shinji (der Beispielsweise auch eine Hauptkraft hinter dem Genre-Klassiker Bubblegum Crisis war) und dem Produzenten Sori Fumihiko.
Die DVD gibt es in drei verschiedenen Ausführungen: Zum einen die normale DVD zu einem Listenpreis von $19.95, eine Limited Edition mit einer zweiten DVD mit einem etwa 40-minütigen Making-of, verpackt in einer recht aufwendigen Metallhülle für $29.95 und schließlich die „Limited Addition“ mit einer Action-Figur für $49.95.
Alles in allem ein Film, der erheblich besser gelungen ist als man zunächst erwarten durfte. Vor allem Fans des Appleseed-Mangas werden hier recht gut bedient, da zahlreiche offene Fragen aufgegriffen und zu einem stimmigen Ende geführt werden. Ob man hier jedoch wirklich die Zukunft des Anime vor sich hat, wie es teilweise im Making-Of behauptet wird, mag bezweifelt werden, da in diesem Fall auch Appleseed an sich eine recht dankbare Vorlage war: es gibt nur eine überschaubare Anzahl von menschlichen Hauptcharakteren, deren Ausarbeitung immer mit erheblichen Problemen verbunden ist.
| Kinofilm |
| Laufzeit: |
105 Minuten |
| Tonspuren: |
Englisch 5.1, Japanisch 5.1 und DTS |
| Herausgeber: |
Geneon |
| Ländercode: |
1 |
| Listenpreis: |
$19.95 / $29.95 / $49.95 |
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