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Leseprobe der FUNime Nr. 18

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Editorial
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Adolescence of Utena

Shoujo Kakumei Utena: eine TV-Serie, die viele Fans gefunden hat. Inzwischen ist in Japan ein Kinofilm erschienen - kann er an die Faszination der Serie anschließen? Eins ist auf jeden Fall sicher: den Zuschauer erwartet kein gewöhnlicher Film…

Anthy
Utena

Adolesence Mokushiroku
(Adolescence of Utena)

Produktionsjahr: 1999
Laufzeit: 88 Minuten
Derzeit keine Veröffentlichung im Westen geplant, erhältlich als Fansub

Die Ohtori Akademy hat eine neue Schülerin: TENJOU Utena. Es ist ihr erster Tag auf der ungewöhnlichen Schule und eine andere Schülerin namens SHINOHARA Wakaba begleitet sie auf einer Führung über das Schulgelände. Utena ist überrascht, als sie hier ihren ehemaligen Freund KIRYUU Touga wiedertrifft. Da er einen Ring trägt, gratuliert Utena ihm zu seiner Verlobung. Er erwidert nur geheimnisvoll, daß der Ring ein Bara no Kokuin (Rosensiegel) ist und ihn auf diese Schule gebracht hat. Kurze Zeit später bemerkt Utena an einem Rosenbusch eine einzelne weiße Rose. Aus dieser Blüte fällt ihr ein Ring in die Hände, der identisch wie Tougas Ring aussieht. Plötzlich regnet es vom Himmel Rosenblätter und Utena erblickt hoch über sich eine Plattform, von der der Blütensturm zu kommen scheint. Neugierig geworden, ersteigt sie die Treppe zu dieser Plattform und trifft dort auf die Schwester des Schulleiters, HIMEMIYA Anthy. Später kommt ein weiterer Siegelträger in der Uniform des Schülerrates hinzu. Er trägt ein Katana-Breitschwert bei sich und stellt sich als KYOUICHI Saionji, der Sieger der Duelle um Anthy, vor. Weil dieser Anthy schlecht behandelt, kommt es zwischen Utena und ihm zum Duell. Utena benutzt in Ermangelung einer Waffe einen Besen. Nachdem das scharfe Katana Utenas Besenstil zerschmettert hat, greift Anthy ein und wirft sich zwischen die beiden. Als Anthy Utena küßt, verwandelt sie sich in die Bara no Hanayome (Rosenbraut). Beide werden in ein mystisches Licht getaucht, und aus Anthys Brust ragt plötzlich ein Schwertgriff hervor. Utena zieht das Schwert aus Anthy heraus und verwandelt sich in einen Prinzen. Kurz darauf ist der Kampf für Utena entschieden…

Doch was für ein Mensch ist Anthy? War da nicht etwas in ihrer Beziehung zu Touga, an das sie sich nicht mehr richtig erinnern kann? Und was treiben ARISUGAWA Yuri, KAORU Miki und TAKATSUKI Shiori in der Tiefgarage?

Adolescence of Utena ist nicht direkt eine Fortsetzung der TV-Serie. Die Serie unterteilt sich bekanntlich in vier Teile: Seitokai Hen (Student Council Saga), Kurobara Hen (Black Rose Saga), Ohtori Akio Hen und Mokushiroku Hen (Apokalypse Saga). Vom Stil unterscheiden sich diese Teile sehr voneinander - vor allem der erste Teil enthält noch wesentlich weniger düstere und mystische Elemente. Der Film entspricht dabei von der Stimmung her dem Ende der Black Rose Saga oder der Apokalypse Saga. Er spielt in einer Art Paralleluniversum und man sollte bei Schlüssen aus der Handlung des einen auf den anderen sehr vorsichtig sein…

Die Animationsqualität des Kinofilms liegt erwartungsgemäß weit über der Serie und gehört auch für sein Produktionsjahr 1999 eher zu den besseren Animefilmen. Für die Begleitmusik wurden zum Teil bekannte Themen abgewandelt, aber auch neue Stücke komponiert. Wie bei der Serie zeichnet sich die Musik durch viel Abwechslung und eine perfekte Wiedergabe der Stimmung der jeweiligen Szene aus. Allein das Spiel aus Bildern, Musik und Stimmung machen den Anime schon sehenswert.

Man kann den Film nur schwer beschreiben; der Regisseur hat es in einem Interview mal folgendermaßen formuliert: "Wir überlegten uns bei jeder Szene, was die Zuschauer wohl als nächstes erwarten würden und gestalteten sie dann völlig anders."

Die ersten 60 Minuten des Films bestehen aus einer mehr oder weniger unkonventionellen Aneinanderreihung von Handlungselementen, die häufig in einem Zusammenhang zur Serie stehen könnten. Dabei werden die Zuschauer, die die Serie bereits kennen, durch das geänderte Charakterdesign, die neuen Verhaltensweisen der Figuren und verwirrende Hinweise auf die Handlung der Serie durcheinandergebracht. Meiner Meinung nach bezweckten die Macher des Films vor allem eins: dem Zuschauer klar zu machen, daß sie nicht mit vorgefaßten Meinungen an den Film herangehen sollen. Die letzten 20 Minuten des Movies fallen dann völlig aus allen bekannten Konzepten und gehören mit Abstand zu den irrsten Szenen, die ich jemals gesehen habe.

Jetzt stellt sich natürlich die Frage, ob man die Serie gesehen haben muß oder ob Utena-Unkundige den Film nicht verstehen oder genießen können. Ich habe mit mehreren Zuschauern gesprochen, die die Serie noch nicht kannten, und allen gefiel der Film sehr gut und sie hatten nicht das Gefühl, daß ihnen etwas entgangen sei. Vielmehr schienen die Leute, die die Serie kannten, eher die Leidtragenden zu sein, weil die am Anfang völlig verwirrt waren…

Insgesamt kann ich den Film nur empfehlen - er stellt etwas völlig Neues dar und weiß durch die hohe Zeichenqualität und die gelungene Musik zu gefallen.

Eine kommerzielle Veröffentlichung ist in absehbarer Zeit nicht geplant. Doch findet man den Film bei vielen Fansubbern und er dürfte wegen seiner Aktualität auch noch auf vielen Conventions zu sehen sein. Fans von auslegungsfreudigen Serien wie Serial Experiments Lain oder Neon Genesis Evangelion sollten auf jeden Fall einen Blick auf die Serie und den Film werfen. Der Film hat dabei den Vorteil, daß man sich nicht erst durch 13 Folgen arbeiten muß, bis sich der düstere und oft verwirrende Charakter des Werkes zeigt. Faszinierend war auch, daß mehrere meiner Freunde, die die Serie eigentlich nicht mochten, vom Film begeistert waren und anschließend auch die ganze Serie sehen wollten. Dabei fühlten sie sich dann in den späteren Sagen wie zu Hause.

Eine kleine Warnung muß ich aber noch anbringen. Der Film ist offensichtlich für ein etwas älteres Publikum konzipiert. Er beschäftigt sich auf sehr ungewöhnliche Weise mit dem Tod, der Liebe und dem Leid. Anders als die Serie arbeitet er weniger mit Andeutungen, sondern versucht den Zuschauer zu Schocken. Hier paßt auf jeden Fall der alte Satz: Erwarte nichts und rechne mit allem.

Bernhard

   

   
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