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Im Dojo, dem japanischen Übungssaal, herrscht konzentrierte Stille.
Langsam und fließend greifen die Männer und Frauen nach ihren Bogen
und spannen die Sehnen. Sie üben sich in Kyudo, dem "Weg des Bogens",
der klassischen Kriegskunst der Samurai.
Bei den Samurai galt das Bogenschießen als die höchste Kunst eines
Kriegers. Und im Fall eines Versagens waren die Samurai bereit,
ohne Zögern ihr Leben zu opfern. Disziplin, Selbstaufgabe, Gehorsam
und Treue bis in den Tod, diese Tugenden bildeten den Ehrenkodex.
Heute scheint das Bogenschießen ein japanischer Freizeitsport zu sein.
Aber der "Weg des Bogens" ist sehr viel mehr.
In Japan gilt Kyudo als geistige Schule zur Entwicklung der Persönlichkeit,
die dem Schützen zur inneren Klarheit verhelfen soll. Der Ingenieur Kazumasa
Matsumoto sagt: "Durch Kyudo habe ich die höchste Form der Konzentration
erlernt. Ich kann also Dinge in ihrem Wesen bewusst und sicher erfassen.
Das Bogenschießen gibt mir viel Sicherheit und Selbstvertrauen." Tag für
Tag kommen die Schützen in den Dojo, üben und üben. Aber sie wollen durch
das tägliche Training nicht unbedingt die Zahl ihrer Treffer auf der
Zielscheibe erhöhen. Bei einem guten Kyudoschützen ist es beinahe
gleichgültig, ob der Pfeil ins Ziel trifft oder nicht. Wenn man den Bogen
voll auszieht und schießt, nur weil man das Gefühl hat, der Pfeil könnte
treffen, so ist das wie Cowboy- und Indianerspielen. "Sicher, auch so
lassen sich Treffer erreichen, aber das ist bloßes Schießen mit einem Bogen
und kein Kyudo", erklärt Tohru Miyata, der Kyudomeister. Das Geheimnis
des Kyudo liege "im perfekten Zusammenspiel von Geist und Körper und der
Vervollkommnung des Bewegungsablaufs, Gedanke und Körper müssen eins werden."
Auch die japanischen Wirtschaftsunternehmen haben den Wert des Kyudo
erkannt, manche Firmen stellen ihren Mitarbeitern sogar Übungsräume zur
Verfügung. Denn Kyudo, so die Unternehmensphilosophie, fördere nicht
nur Konzentration und Disziplin, sondern auch den Respekt gegenüber den
Vorgesetzten.
Eine besondere Form des Kyudo ist das Yabusame, ein zeremonielles
Bogenschießen zu Pferd. In vollem Galopp müssen die Reiter über den
Yabusame-Pfad jagen und drei Zielscheiben treffen, ohne dabei den
Lauf des Pferdes zu hemmen. Im 12. Jahrhundert durften das nur die
besten der Samurai versuchen. Heute gibt es nur noch 50 Kyudoschützen,
die Yabusame beherrschen. Beim Frühlingsfest in Nikko zeigen die
Yabusameschützen alljährlich ihr Können.
(Text: Prisma TV)
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