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Die Familie mit dem umgekehrten Düsenantrieb

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Satire, Japan 1984, 102 min, FSK 16

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Die Kobayashis

Inhalt:

Vater Kobayashi kann sich endlich seinen großen Traum erfüllen: ein kleines Eigenheim für sich und seine Familie in der Vorstadt von Tokio. Doch schon bald nach dem Einzug wird klar, dass der ersehnte Familienfriede damit keineswegs gesichert ist. Drei Generationen unter einem Dach bringen ihre Probleme mit sich... (Text: arte)

Alternativer Text:

Die ganze Familie Kobayashi regt sich über Opa (Hitoshi Ueki) auf. Er steht allen nur im Weg. Deshalb buddelt Hausherr Katsukini (Katsuya Kobayashi) im Wohnzimmer ein Loch. Dort soll Opa wohnen. Aber dann stößt er auf ein Termitennest... (Text: Hörzu)

Ausführlicherer Text:

Endlich wird Vater Kobayashis großer Traum wahr: ein eigenes Heim für sich und seine Familie am Rand von Tokio! Doch schon bald nach dem Einzug zeigt sich, dass der ersehnte Familienfriede durch den Umzug keineswegs gesichert ist. Erste Schwierigkeiten tauchen auf, als der rüstige Großvater sich ebenfalls als Mitbewohner ankündigt, obwohl im Haus für ihn eigentlich kein Platz ist. Trotzdem bringt Vater Kobayashi es nicht übers Herz, den alten Mann abzuweisen. Ab sofort müssen die Lebensvorstellungen dreier Generationen unter einen Hut gebracht werden. Dabei kann Vater Kobayashi auf den guten Willen der übrigen Familienmitglieder leider nicht zählen. Masaki, sein 19-jähriger Sohn, ist ohnehin hochgradig gereizt, weil er für die Universitäts-Aufnahmeprüfung büffeln muss. Erika, die halbwüchsige Tochter, hat sich in ihre poppige Teenagerwelt zurückgezogen und träumt von einer Karriere im Showgeschäft. Und Mutter Saeko widmet ihre ganze Energie den geliebten Topfpflanzen. Vom Stress des Zusammenlebens gebeutelt, hat der Vater plötzlich eine ungewöhnliche Idee: Mit Schaufel und Pressluftbohrer beginnt er, im Boden des Esszimmers ein Loch auszuheben, um für den Großvater ein zusätzliches Zimmer zu schaffen. Als er dabei auf ein Nest weißer Ameisen stößt, kostet ihn diese Entdeckung endgültig den Verstand. Zwar kann das Ungeziefer mit Feuer und Wasser vernichtet werden, aber Vater Kobayashi hat fortan nur noch eines im Sinn: die totale Zerstörung. In der Nacht eskaliert der Familienzwist zu einem Kampf auf Leben und Tod, bis von Vater Kobayashis Haus nur noch ein Trümmerhaufen übrig ist - und die Familie zu neuen Ufern aufbricht.

Mutter Kobayashi Der Film ist eine rasante Farce, die sich einer Fülle unterschiedlicher Stilmittel vom Slapstick-Kino bis zum Action-Film bedient, um die Ideologie des trauten Eigenheims als groteske Zwangsvorstellung zu karikieren: als Kultobjekt, das in einer hektisch-überdrehten Gesellschaft jeden Sinn verloren hat und sich selbst ad absurdum führt. Regisseur Sogo Ishii thematisiert in seinem provokanten Werk aktuelle Problematiken des modernen Japans, wo aufgrund extremer Überbesiedelung - in der Innenstadt Tokios leben im Durchschnitt nahezu 15.000 Menschen auf einem Quadratkilometer - das traute Eigenheim im Grünen zum größten Traum vieler japanischer Familien geworden ist. Im Wunsch nach mehr Wohnraum kommt auch der Wunsch nach mehr Unabhängigkeit zum Ausdruck: Unabhängigkeit vom Machtbereich der Großfamilie, die in der traditionellen japanischen Kultur den Mittelpunkt sozialen Lebens darstellte und die zunehmend von modernen Kleinfamilien mit höchstens zwei bis drei Kindern abgelöst wird. Doch das alte Idealbild einer „vollständigen“ Familie als Ort der Geborgenheit bleibt nach wie vor lebendig und kollidiert mit den Anforderungen des modernen Lebensstils. Die Folge ist eine kuriose, oft explosive Mischung aus extrem konservativen Sehnsüchten und einer gleichermaßen drastischen Fortschrittsgläubigkeit.

In Sogo Ishiis Film stehen die einzelnen Familienmitglieder für verschiedene Gruppen und Tendenzen der japanischen Gesellschaft: Vater Kobayashi ist der Prototyp des braven Angestellten, der nicht nur im Beruf, sondern auch in der Familie unter Erfolgszwang leidet. Seine Tochter ist rettungslos von amerikanischer Plastikkultur und von den neuesten Moden der Unterhaltungsindustrie infiziert. Sohn Masaki, ein Opfer des rigiden japanischen Bildungssystems, frönt dem Elitedenken und investiert seine ganze Intelligenz in elektronische Basteleien. Der Großvater schließlich sorgt mit Räucherstäbchen, Kriegsgerät und patriotischen Parolen dafür, dass auch die nicht immer ruhmreiche japanische Vergangenheit in diesem so „fortschrittlichen“ Haushalt vertreten ist. Auch mit dem Titel seines Films referiert Regisseur Sogo Ishii auf ein japanisches „Inside“: Anfang der 80er Jahre sorgte ein makabres Unglück in Japan für Aufsehen, als der Pilot einer Verkehrsmaschine beim Landeanflug ohne erkennbaren Grund den Düsenantrieb auf gegenläufigen Betrieb stellte - möglicherweise als Folge einer Stresssituation. Seither gibt es im japanischen Sprachgebrauch das geflügelte Wort des „umgekehrten Düsenantriebs“ (gyakufunsha) - ein anderer Ausdruck für Wahnsinn. In Sogo Ishiis böser Filmgroteske entsteht dieser Wahnsinn aus scheinbar alltäglichen Lebensumständen, die für das moderne Japan charakteristisch und insofern „normal“ sind.

Die Familie mit dem umgekehrten Düsenantrieb, Sogo Ishiis erster in 35mm gedrehter Film, wurde innerhalb weniger Wochen mit einem Budget von umgerechnet nur 300.000 Euro produziert. (Text: arte)

 

VHS-Cover

Video/DVD:

Der Film ist 1988 unter dem Titel Die total verrückte Familie in Deutschland auch auf Video erschienen (siehe Bild links).

Im Jahr 2007 ist er unter dem Filmtitel Die Familie mit dem umgekehrten Düsenantrieb bei Asian Film Network auch auf DVD erschienen (siehe Bild rechts, Vertrieb: Ascot Elite Home Entertainment).
DVD-Cover

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Film-Daten

   
Titel: Die Familie mit dem umgekehrten Düsenantrieb
Originaltitel: Gyakufunsha Kazoku
   
  Satire, Japan 1984, 102 min, FSK 16
   
Regie: Sôgo Ishii
Drehbuch: Sôgo Ishii, Yoshinori Kobayashi, Fumio Kaminami
Kamera: Masaki Tamura
Musik: "Gruppe 1984"
Schnitt: Junichi Kikuchi
Produzent: Kazuhiko Hasegawa, Toyoji Yamane, Shirô Sasaki
Darsteller: Katsuya Kobayashi, Mitsuko Baishô, Yoshiki Arizono, Hitoshi Ueki, Youki Kudoh
   
Sendedaten: 30.11.1988, ZDF
  Montag abends, ca. 1997, 00:10 - 01:55, VOX
  Freitag, 24.03.2006, 00:25 - 02:10, arte

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